The GIGI

In Mailand sprach Karl Reyer mit Gigi Boglioli über seine bisherige Karriere und die Herausforderung, ein neues Label zu gründen.

Gigi Boglioli mit Karl Reyer
Gigi Boglioli mit Karl Reyer

Herr Boglioli, Sie haben für große und namhafte Modehäuser gearbeitet. Was hat Sie dazu bewegt, im vergangenen Jahr das Start-Up Label „The Gigi“ zu gründen?

Ich hatte das dringende Bedürfnis, „persönlicher“ zu werden. Ich wollte einen Weg finden, meine Ansichten und Gedanken auch in der Mode widerzuspiegeln. Im Zuge dessen habe ich angefangen an einer Kollektion zu arbeiten, die in Sachen Style mein emotionales Innenleben repräsentiert und nichts mit den üblichen Marktvorgaben und Trends zu tun hat.

Woher kommt der Name „The Gigi“ und was hat er zu bedeuten?

Genau genommen ist „The Gigi“ eine Kurzform meines Vornamens, Pierluigi. Seit ich mich erinnern kann wurde ich von meiner Familie und meinen Freunden GIGI genannt – und mein Label soll nun eben all das repräsentieren, was mich als Person ausmacht.

Wie würden Sie den Stil von „The Gigi“ beschreiben? Auf welchen Prinzipien basiert er?

Stil ist für mich etwas Persönliches. Meine Kollektion entspricht einer Sammlung von lässigen Kleidungsstücken gepaart mit einer Prise Freiheit. Meine Gabe liegt darin, Horizonte zu überblicken und nach vorne zu schauen. Dabei wehre ich mich gegen jegliche Form von Eintönigkeit. Es ist eine große Herausforderung, den Spirit der Zeit zu erkennen und lesen zu können, aber die nehme ich gerne an.

Woher holen Sie sich die Inspiration zu neuen Ideen und Looks bei ihren  Kollektionen?

Ich liebe es, neue Städte zu bereisen und sie mit jedem Herzschlag zu erleben – fernab von Tourismus und den üblichen Stadtrouten. Ich genieße es, mich unters Volk zu mischen, andere Welten zu entdecken und in fremde Kulturen einzutauchen. Unser Lebensraum, die Architektur, der Lebensstil, Formen, Farben, Geräusche – all das hat auch Einfluss auf unsere Kleidung. Wann immer ich von solch einer Reise zurückkomme, versuche ich alle gesammelten Eindrücke und Emotionen in einer Kollektion zu verarbeiten.

Was halten Sie von der aktuellen Herrenmode?

Meiner Meinung nach ist im Bereich Herrenmode ein radikaler Umbruch längst überfällig. Bestehende Strukturen zerstören jegliches kreatives Potenzial und etablieren einen langweiligen Standard Look für Herren. Höchste Zeit etwas zu ändern – im Entwicklungsprozess, der Präsentation, selbst in der Art, wie Herrenmode getragen wird.

Seit Jahrzehnten zählen Sie zu einer festen Größe in der Modebranche. Wie haben Sie Ihre Karriere angefangen und wie ist es Ihnen gelungen, sich als Designer zu behaupten? Könnten Sie uns kurz Ihren Werdegang schildern?

Ich stamme aus einer traditionsreichen Schneider Familie und wuchs quasi zwischen Jacken, Anzügen und Tausenden von Stoffen auf. Im Alter von 18 Jahren begann ich meine Karriere als Verkäufer im familieneigenen Mode Shop, wechselte aber schon kurz darauf ins Boglioli Creative Team. Anfang der 90er Jahre machte ich es mir zur Aufgabe, das traditionelle Jackett in Schnitt und Look zu revolutionieren. So entwickelte ich 1991 eine Technik, um maßgeschneiderte Jacken unabhängig von der Materialzusammensetzung stückzufärben. Das war die Geburt der TINTO IN CAPO Jacken, die bis dato einen Meilenstein der Herrenmode darstellen. Natürlich bin ich stolz auf alles, was ich bisher erreicht habe, aber 2013 war das Jahr für eine neue Herausforderung – der Beginn von „The Gigi“.

Gibt es für Sie „No-Go’s“ was den Bereich Herrenmode betrifft?

Eigentlich nicht. Ich respektiere alles und jeden. Persönlich liegen meine Sympathien allerdings immer bei denjenigen, die sich mal was trauen und ihre Persönlichkeit nach außen tragen.

Was zeichnet für Sie einen gut gekleideten Mann aus? Was gehört zur Grundausstattung?

Einen gewissen Grad an Eleganz trägt ja jeder Mann in sich. Man muss selber herausfinden, was zu einem passt und wie man einzelne Sachen kombiniert. Ein gut angezogener Mann wirkt frei und unabhängig, nicht „verkleidet“.