IM INTERVIEW: YORGO TLOUPAS

ART DIRECTOR & DESIGNER VON BLACK CROWS

Es ist der 4. Oktober 2016 und wir befinden uns anlässlich der Modewoche in Paris. Zeitgleich sind wir in der Planungsphase unseres Experiments 08 – SKI, der perfekte Zeitpunkt um in der französischen Modemetropole kreative Köpfe zu treffen.

Die Nervosität steigt, denn in wenigen Minuten treffen wir den Art Director Yorgo Tloupas, der unter anderem die Design Identität von Black Crows verantwortet. „Unter anderem“ ist bei dem weltweit anerkannten Art Director ernst gemeint, denn der Halbgrieche ist ein wahrer Tausendsassa. Pünktlich 16:00 Uhr betreten wir das Designbüro und befinden uns sofort im Geschehen: 10 fleißige Grafiker blicken in ihre Hochleistungsmonitoren, rechts von ihnen sitzt, ganz unscheinbar, weil in seine Arbeit vertieft, Yorgo Tloupas. Nach wenigen Sekunden haben wir seine vollste Aufmerksamkeit. Yorgo ist lässig in Jeans und einem bedruckten Shirt gekleidet und genauso locker ist auch seine Art mit uns zu reden. Direkt führt er uns zu einer Sitzgruppe im angrenzenden Innenhof und unsere Unterhaltung beginnt...

Yorgo, Du bist für das Design, die Grafiken und Logos bei Black Crows verantwortlich?

Ja, Camille Jaccoux und Bruno Compagnet haben mich gleich bei der Gründung von Back Crows mit an Bord geholt. Ich habe zunächst das Logo entworfen und das Grafik Design für die Skier. Als wir dann vor 3 Jahren unsere eigene Sportswear-Linie ins Leben riefen, habe ich unsere Ideen aufs Papier gebracht. Bei der Umsetzung hat uns dann eine junge Designerin geholfen, bis heute bin ich in den Designprozess voll involviert.

Was ist das Besondere an Black Crows?

Dazu kann ich eine kleine Anekdote erzählen, die es auf den Punkt bringt: Vor einiger Zeit hatte ich ein Meeting mit Neukunden. Ich trug meine Black Crows Jacke, keiner von den Anwesenden kannte jedoch das Label. Sie fanden sie so cool und hielten Black Crows für ein Streetwear-Label. Und das ist unser Ziel: Wir wollten eine Kollektion designen, die auf der Piste gleichermaßen funktioniert wie in der Stadt. In unserem Segment gibt es kein vergleichbares Label, wie wir es sind.

Ein Blick in die Zukunft?

Unser Ziel ist es in wenigen Jahren von Kopf bis Fuß in Black Crows gekleidet sein zu können: Schuhe, Taschen, Underwear... Glücklicherweise sind die Leute unserem Label gegenüber sehr treu. Diejenigen, die unsere Skier kaufen mögen auch unsere Klamotten. Wir sind alle sehr gespannt wo unsere Reise hingeht!

Unsere Blicke schweifen hinüber zu einer größeren Halle, die direkt an Yorgos Studio anknüpft. Von draußen sehen wir weitere Computer, Installationen und Yorgo fährt fort: 

... hier in meinem Studio arbeiten wir an visuellen Identitäten für unterschiedliche Marken, gestalten Logos und entwickeln Schriften. Für Louis Vuitton haben wir zum Bespiel ein Magazin in verschiedenen Sprachen gestaltet – eine große Herausforderung! Außerdem leite ich auch die Art Direction der französischen Vanity Fair...

... oder Du arbeitest an Deinem eigenen Magazin INTERSECTION, das Du Ende der 90er Jahre zusammen mit dem Fotografen Rankin gegründet hast...

Genau, das entsteht auch hier! Bis dato gab es ja kein wirklich cooles Magazin, das sich mit dem Auto als Lifestyle Produkt beschäftigt. Unsere Motivation war es ein Produkt zu schaffen, dass Menschen, wir wir es sind, anspricht. Kreative Menschen, die sich gerne schöne und interessante Autos ansehen oder fahren. Also haben wir INTERSECTION gegründet...

Bist du ein Workaholic?

Ja klar, ohne Frage! Aber das macht mir nichts aus. Arbeit ist für mich Leidenschaft und Vergnügen zugleich – jeden Morgen freue ich mich in mein Büro zu gehen, besser könnte es nicht sein! 

Was inspiriert Dich?

Meine Passion ist meine Arbeit. Das Gestalten von Magazinen ist immer ein gleichbleibender Prozess. Was mich wirklich immer wieder aufs Neue packt ist der Aufbau von Identitäten und Brands, das Entwickeln von Marken und Logos. Schau Dich einmal um – Logos sind überall: auf Schuhen, dem Handy oder eben den Klamotten. Logos bleiben im Gedächtnis, sie zu kreieren ist wie die Arbeit eines Architekten an einem Haus.

Direkt zeigt uns Yorgo seine bisherigen Arbeiten auf dem Laptop. Ein riesiges Potpourri an Logos und seine Designs für den französischen Concept Store Colette anlässlich der Art Basel in Miami. 

Die Arbeit an Deinen Logos sieht sehr komplex aus!

Klingt so, ist es aber nicht! Wenn Du einmal den Dreh raus hast, ist es ganz einfach!

Er lacht und wir staunen weiter....

Kommen wir zu Deiner Persönlichkeit: Du bist halb Grieche, halb Franzose. Ergeben sich daraus typische Charakterzüge?

Das ist eine gute Frage! Ich denke, dass meine französische Seite sehr strukturiert und gestresst ist. Meine griechische Seite hingegen relaxed. Zum Leid meiner Freundin zeige ich meine entspannte Seite nur in Griechenland, sprich zwei Wochen im Jahr. 

Du bist gerne in Griechenland?

Wie ich finde, hat Griechenland derzeit eine Menge zu bieten. Coole Restaurants, Hotels, Labels und eine spannende Kunstszene. Für mich ist Athen das neue Berlin. Es ist super günstig und es boomt! Die Stadt hat eine tolle Energie und ist einfach am Puls der Zeit. Griechenland hat aber auch eine atemberaubende Natur und tolles Wetter zu bieten. Seit ich mich erinnern kann haben wir jeden Sommer hier verbracht, waren Schwimmen, Bergsteigen und Surfen. Noch heute genieße ich die Natur und fahre hier sogar Ski! Es ist schon verrückt: 30 Kilometer von meinem Haus entfernt kann ich im Meer Schwimmen gehen, 30 Kilometer in die andere Richtung Skifahren!

Du bist überhaupt ein sportlicher Mensch. Unter anderem fährst du auch Skateboard?

Richtig! Leider schaffe ich es höchstens 1-2 Mal im Jahr. Ich glaube ich werde alt (lacht). Das Skaten hat mich in meinem Leben aber sehr beeinflusst – ich fahre Skateboard seit ich 11 Jahre alt bin. Beim Skaten ist nicht nur die Art und Weise wie man fährt kreativ, die ganze Szene ist es. Schau Dir nur einmal die Boards, die Filme und die Logos an! All das hat meinen visuellen Blick sehr geprägt.

Dein Vater Philolaos Tloupas war ein bekannter Bildhauer in Frankreich. Haben Dich seine Arbeit inspiriert?

Mein Vater hat in Griechenland gelebt und ist 1950 das erste Mal nach Paris gereist. Heute sieht man seine Metallskulpturen noch im Pariser Hochhausviertel La Défense. Ich wuchs in einem Haus auf, das er entwarf und sogar selbst baute. Ja, er hatte eine gute Karriere und er ist noch immer eine große Inspiration für mich.

Aber er war auch genauso stolz auf mich! Ich bin ja kein Künstler im eigentlichen Sinne, ich mache visuelle Kunst. Mein Job ist es, vorrangig meine Kunden glücklich zu machen. Bei einem Künstler, wie mein Vater es war, geht es erstrangig darum, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber in einigen Dingen sind wir uns dann doch sehr ähnlich: bei unseren Arbeiten geht es immer um Shapes, Proportionen usw.

Welche Rolle spielt Social Media in Deinem Leben?

Die Frage ist doch eher, ob man überhaupt eine Wahl hat! Es ist verrückt – vor wenigen Jahren habe ich noch alles daran gesetzt meine Arbeiten vor anderen Leuten zu schützen. Heute ist es genau andersrum. Jeder präsentiert im Social Media was er macht. Je mehr man veröffentlicht, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt man und umso erfolgreicher wird man. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass das was sie tun, gut ist. Man kann das jedoch nicht aufhalten oder boykottieren oder sich davon fernhalten. Aber wenn Du das Spiel mitspielst, musst du es gut spielen! Für mich geht es im Social Media vielmehr um Persönlichkeiten und Individualitäten.

1. Redakteurin Jessica im Interview mit York Tloupas

Was fasziniert Dich an Paris?

Nach 10 Jahren in London war es wirklich schön wieder nach Paris zurückzukehren. Für mich fühlt sich Paris viel kleiner an, als es ist. Ich fahre zum Bespiel nie mit dem Auto, auch wenn ich eins besitze. Hier in Paris komme ich überall einfach und schnell hin. Auch die Kunst- und Musikwelt, sowie die Mode- und Designszene liegen so dicht beieinander. Jeder scheint hier jeden zu kennen. Paris ist ein Dorf! In London war das ganz anders: weder die Kunstszene, noch die Designinteressierten und schon gar nicht die Modeszene waren miteinander verbunden. In Paris stimmt die Mischung einfach. Es ist eine gute Stadt mit einer tollen Energie. Einziges Manko: das Meer und die Wellen sind zu weit entfernt. Sonst wäre ich jeden Morgen noch ein klein wenig glücklicher. New York, L.A. oder Sydney wären perfekt für mich – morgens Surfen und danach direkt ins Büro. 

Als Insider kennst du Dich ja sehr gut in Paris aus? Hast Du Tipps für uns, was wir uns unbedingt anschauen sollten?

Was ich besonders mag ist meine direkte Nachbarschaft, die wir Nomont, also North Montmartre nennen. Hier ist es ist wirklich cool! Im mag zum Beispiel die Pizzeria Il Brigante. Aber auch das Montcalm ist äußerst zu empfehlen. Ich bin dort mit meiner Freundin sicherlich zwei Mal die Woche. Hier gibt es aber auch hippe Bars und individuelle Shops. 

Welche persönlichen Träume hast Du noch nicht gelebt?

Ich wünschte ich wäre gut genug beim Skateboarden gewesen, um heute ein Profi zu sein. Ich wäre wirklich sehr gerne in professioneller Skateboarder geworden. Natürlich träume ich auch von Kindern, das ist aber noch keine Option. Ein Haus habe ich mir bereits erfüllt – ich habe es mit einem Architekten zusammen geplant und selbst gebaut.

Yorgo zeigt uns auf seinem Laptop sein Haus im Norden von Paris (North Montmartre). Voller Stolz erzählt er uns, wie man auf ein bereits bestehendes Haus zwei weitere Stockwerke baute und dass die Holzmöbel extra für ihn angefertigt wurden...

Warst Du schon einmal in Österreich?

Ja, ich habe einmal vor 10 Jahren bei der Gumball Rallye mitgemacht. Das ist wirklich ein verrücktes Autorennen! Reiche Menschen mit teuren Autos, die um die Welt reisen und in verschiedensten Städten einen Stopp einlegen. Da haben wir auch in Wien Halt gemacht – es war verrückt!

Zum Schluss, 5 kurze Fragen mit ebenso kurzen Antworten:

Beschreibe Deine Persönlichkeit in 5 Worten: Kurios, hyperaktiv, egoistisch, positiv und kreativ.

Buch oder iPad? Ein Buch! Ich bin fest davon überzeugt, dass das gedruckte Wort wiederkommt! Heute kann doch jeder Online veröffentlichen, da wird das Print Magazin zu einem Luxusprodukt. 

Fahrrad oder Auto? Fahrrad! Auch wenn ich ein Automagazin habe...

Glück ist... Liebe und Surfen.