Im Interview: Wolfgang Kautter

Wolfgang Kautter ist ein Gentleman wie er im Buche steht. Den klassisch-britischen Gentleman’s Style lebt er mit Leib und Seele – und das tagtäglich. Aus diesem Grund weiß der gebürtige Schwabe die Vorzüge eines perfekt sitzenden Anzugs besonders zu schätzen. Denn mit einem Maßanzug ist man(n) bestens gekleidet. Seine Vorliebe hat Wolfgang Kautter zum Beruf gemacht. Als Vertreter des belgischen Labels Scabal nimmt er schließlich regelmäßig bei Sport & Mode REYER in Hallein Maß. Im exklusiven REYER & Friends Interview verriet uns der gelernte Herrenschneider weshalb er Bergmensch durch und durch ist und Kindheitsträume im Hause REYER wahr werden können.

Was verbindet Sie mit REYER?
 
Scabal, denn unsere geschäftliche Tätigkeit, unsere Kooperation, besteht bereits seit sieben oder acht Jahren. Und natürlich auch die emotionale Verbindung, denn die Leute sind immer lässig drauf, sind immer gut, frohgemut (lacht). Ich komme immer gerne hierher. Ich wurde ja schon mehrmals kolportiert, ich wäre Mitarbeiter bei der Firma Reyer. (lacht)
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Mit Sicherheit bin ich beeinflussbar. Ich glaube, dass jeder Mensch manipulierbar ist, allein schon durch die äußeren Einflüsse. Wenn man von außen Input bekommt, überdenkt man gewisse Ansichten und ändert manchmal seine Meinung – das ist ganz normal.
 
Wie wichtig sind Trends im Bereich der Maßkonfektion?
 
Die Bedeutung von Trends nimmt immer mehr zu. Gerade auch im Bereich der Maßkonfektion wird die Kundschaft immer jünger und interessiert sich zunehmend für Mode. Deshalb kann man heutzutage keine Maßkonfektion anbieten, ohne auf Modetrends einzugehen. Das betrifft sowohl die Schnittführungen wie auch die Stoffe. Da Scabal als Weberei begonnen hat, legen wir besonderen Wert auf die Feinheit der Stoffe und weniger auf ausgefallene Stoffmuster.
Ein Trend, den wir gerade stark beobachten und der uns am Herzen liegt, ist das Thema Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund hat Scabal den Noble Wool Club gegründet, der mit Schafzüchtern in Australien und Tasmanien kooperiert. Dabei handelt es sich um familiengeführte Unternehmen, die ihre Tiere nachhaltig züchten, d.h. ohne den Einsatz von Chemie oder Mastfutter. Das daraus gewobene Tuch wird nicht umsonst Noble Vlies genannt.
 
Ihr Großvater und Ihr Vater waren bereits Schneidermeister. Kam für Sie jemals eine andere Berufssparte in Frage?
 
Ich wollte nie Schneider werden. (lacht) Von klein auf hieß mein Traumberuf Sportlehrer. Deshalb habe ich nach dem Abitur Sportwissenschaften studiert. Allerdings hätte man einen gewissen Numerus Clausus gebraucht um in den Staatsdienst übernommen zu werden, weshalb ich das Studium abgebrochen habe und völlig konträr dazu die Schneiderlehre begonnen habe. Zum Glück haben wir zuhause ein Einzelhandelgeschäft, das mittlerweile von meinem jüngeren Bruder geführt wird. Nachdem ich die Lehre in unserem Geschäft absolviert hatte, habe ich anschließend noch Bekleidungstechnik studiert. Ich bin also auf dem zweiten Bildungsweg zur Bekleidungsbranche gekommen. (lacht) Und ich habe es bis heute nicht bereut, denn ich mache meinen Job leidenschaftlich gerne.
 
Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?
 
Da gibt es zwei Dinge: Zum einen die Freiheit als Außendienstmitarbeiter, sich gewisse Dinge selbst zu gestalten. Und zum anderen der Servicebereich, der Umgang mit unseren Kollektionen und natürlich der direkte Kontakt mit den Kunden. Es ist toll Kunden zu beraten und deren Freude zu sehen, wenn sie den Anzug oder das Sakko genauso erhalten, wie sie sich das vorgestellt haben.

HIGHLIGHTS von SCABAL

Welche Persönlichkeit (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne einmal kennenlernen?
 
Den Kletterer Wolfgang Güllich hätte ich gerne einmal kennengelernt. Der ist leider schon in jungen Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Franz Beckenbauer, als großes Fußballidol, habe ich hier im Hause Reyer ja schon kennenlernen dürfen. (lacht) Als Kind am Sportplatz war Franz Beckenbauer, der Fußball Kaiser, ein großer Traum, der hier in Erfüllung gegangen ist. (lacht)

(Franz Beckenbauer ist ein enger Freund der Familie Reyer; Anmerkung der Redaktion)
 
Wie oder wobei können Sie am besten abschalten?
 
Beim Sport. Egal ob Joggen, Klettern, Mountainbiken, Skifahren oder Langlaufen – mir ist es einfach wichtig, in Bewegung zu sein. Am liebsten bin ich dabei draußen an der frischen Luft. Ich genieße beim Sport, dass man sich in dem Moment auf andere Dinge konzentrieren muss.
 
Beschreiben Sie Ihren Stil in drei Worten!
 
Klassisch, modern, britisch. Ich bin eher der klassische Typ, aber modern interpretiert. (lacht)
 
Welchen Reiz hat Maßkonfektion heute?
 
Das man ein Sakko oder einen Anzug bekommt, der genau meinen Vorstellungen und Körperbedürfnissen entspricht. Der größte Vorteil der Maßkonfektion liegt einfach darin, dass man nachträglich nichts mehr abändern muss. Und ein maßgefertigter Anzug liegt preislich nicht weit über einem hochwertigen Anzug von der Stange, der den Nachteil hat, dass man ihn meistens noch ändern lassen muss.
 
Berg oder Tal?
 
Ich bin ein Bergmensch. Es ist ja meistens so: entweder Bergmensch oder Wasserratte. Ich bin eindeutig Bergmensch, vielleicht liegt es auch an meinem Sternzeichen – Steinbock. (lacht)
 
Welches Buch lesen Sie im Moment?
 
Mein letztes Buch, das ich gelesen habe, war „Birnbäume blühen weiß“ vom holländischen Autor Gerbrand Bakker. Darin geht es um die Geschichte einer Familie: der Vater ist mit drei Söhnen alleinerziehend, da sich die Mutter nach Italien abgesetzt hat. Es ist eine traurige Geschichte, da sich der jüngste Sohn das Leben nimmt. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben, da man die Gedanken desjenigen nachvollziehen kann.
 
Dandy oder Gentleman?
 
Lieber Gentleman als Dandy. Bestmöglich in allen Lebenslagen – hoffe ich zumindest. (lacht)
 
Wird echte Handwerkskunst heutzutage wieder mehr geschätzt?
 
Ich denke, es erlebt eine Renaissance. Diese ganzen Billigprodukte und Plagiate tragen sicher dazu bei. Man sieht es bei Schmuck oder Möbeln: Handwerk hat goldenen Boden. Heutzutage wollen immer alle studieren und ein Diplom machen. Wenn man allerdings mal einen Handwerker braucht, sind immer alle ausgebucht. Mit meiner heutigen Erfahrung würde ich eher einen Handwerksberuf erlernen und mich danach selbstständig machen. Leider geht das Handwerk und Know-how heutzutage verloren. Denn wo bekommt man beispielsweise seine Kleidung her? Es wird kaum noch etwas mit „made in Austria“ produziert. Alles wandert ins Ausland, in Billiglohnländer, ab und damit natürlich auch das erlernte Wissen.
 
Neuwagen oder Oldtimer?
 
Da bin ich sehr indifferent, Autos sind mir nicht sonderlich wichtig. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich dann doch tendenziell einen Oldtimer bevorzugen.


Was ist Ihr Lieblingskleidungsstück?

Meine Anzüge von Scabal. (lacht) Ich fühle mich einfach wohl darin. In meiner Freizeit trage ich allerdings auch gerne Jeans und Poloshirts.

Tragen Sie in allen Lebenslagen Anzug?

Nicht in allen. (lacht) Wenn es angemessen ist, trage ich Anzug. Durch meine Tätigkeit besitze ich ja diverse. (lacht) Allerdings möchte ich nirgends overstyled auftreten, deshalb habe ich für solche Gelegenheiten Softsakkos à la Boglioli. Maßkonfektion beschränkt sich heutzutage ja nicht mehr nur auf Anzüge, deshalb fertigen wir mitunter auch Sakkos. Was das Tragen von Anzügen anbelangt, bin ich wahrscheinlich durch meinen Beruf etwas eingefärbt. (lacht) Aber in meinen Augen geht die Bekleidungskultur verloren. Ich finde es einfach schade, wenn Leute mit Jeans und T-Shirt ins Theater oder die Oper gehen.

Fliege oder Krawatte?

Wenn, dann Krawatte. Fliege trage ich ausschließlich beim Smoking, aber da gehört es einfach dazu.

Was macht einen Anzug von Scabal so einzigartig?

Das der Anzug komplett nach den individuellen Bedürfnissen angefertigt werden kann und dabei noch „made in Germany“ ist. Man spürt die Qualität: deutsches Handwerk und englische Stoffe. Ein Anzug von Scabal kostet dann im Vergleich zwar etwas mehr, dafür weiß der Kunde ganz genau woher er kommt. Bei uns kann man vom Ursprung der Wolle bis hin zum fertigen Kleidungsstück alles nachvollziehen.

Qualität oder Preis?

Qualität. Denn wenn etwas ausschließlich über den Preis definiert wird, weiß man nicht, woher die Ware kommt. Teilweise hat wieder ein Umdenken stattgefunden, obwohl das Einkaufsverhalten der Kunden nicht ganz nachvollziehbar ist. Es geht beispielsweise der Porsche Fahrer zu Aldi um dort günstig Lebensmittel einzukaufen. Gleichzeitig investiert er in einen Anzug, weil er „made in Germany“ ist. Wo allerdings seine Lebensmittel herkommen, interessiert ihn weniger. Ich möchte das auch gar nicht verurteilen, denn kaum jemand lebt das konsequent, mich eingeschlossen. Ich versuche zumindest tendenziell auf Qualität und Regionalität zu achten. Sei es jetzt das Elektrofachgeschäft oder der Bäcker, ich bemühe mich vermehrt bei den Geschäften vor Ort einzukaufen, anstelle bei den großen Ketten. Außerdem fehlt mir bei den großen Ketten die kompetente Beratung. Es wird kaum auf meine Bedürfnisse eingegangen, sondern lediglich Features aufgezählt, die für mich vielleicht gar nicht relevant sind. Ich informiere mich meistens online und kaufe dann offline. Darin liegt für mich auch die Zukunft des Einzelhandels: die Kombination aus stationärem Geschäft und eigenem Online Shop. Ich bin überzeugt, dass es immer eine Nische für Inhabergeführte Geschäfte geben wird, die eine hohe Kompetenz vermitteln, die Beratung stimmt und man nicht das Gefühl hat, schnell abgefertigt zu werden. Hier ist es zum Beispiel so, dass euer Hannes immer gut drauf ist und man das Gefühl vermittelt bekommt, zu Freunden zu kommen – den Eindruck habe ich zumindest, wenn ich hier bin. Hannes kennt fast jeden Kunden persönlich und diese „emotionale“ Bindung ist das Entscheidende.

Mode ist...?

… Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, für mich zumindest – also klassisch, modern, britisch. (lacht)

Vielen Dank für dieses Interview.