IM INTERVIEW: Sabine Döllerer

Sabine Döllerer ist eine Powerfrau wie sie im Buche steht. Als kreative Autodidaktin ist sie für das gesamte Marketing, für die Administration und Buchhaltung sowie für die Feinkostabteilung von Döllerer‘s Genusswelten und Döllerer’s Weinhandelshaus verantwortlich. Mit ihren selbst erdachten Genusspackerl verwöhnt die Dreifachmutter seit Jahren Feinspitze rund um den Globus – schließlich verpflichtet der Name Döllerer zu lukullischen Genüssen. (Unter dem Motto 'Leckerbissen' werden aktuell die Gäste der Kleinen Festspiele auf der Burg Golling mit den Schmankerl aus Döllerer’s Genusswelten verwöhnt. ) Wir trafen Sabine Döllerer zum exklusiven REYER & Friends Interview. Lesen Sie hier, weshalb Sabine Döllerers Mann beim Anblick neuer Bücher verzweifelt, ihre 94-jährige Großmutter ihr größtes Vorbild ist und sich das Energiebündel selbst als Landpomeranze bezeichnet.


Karl Reyer und Sabine Döllerer bei Sport & Mode REYER in Hallein
Karl Reyer und Sabine Döllerer bei Sport & Mode REYER in Hallein

Was verbindet Sie mit REYER?
 
In erster Linie eine langjährige Freundschaft zur Familie Reyer, mein Papa und Karl Reyer Sen. waren beide Ringer. Ich kenne das Geschäft also seit ich ein Kind bin. Seither steht es für mich für Qualität und Top Aktualität. Immer wenn ein besonderer Anlass war, habe ich von meinen Eltern etwas vom Reyer bekommen – und bei meinen Kindern ist das auch schon wieder so. (lacht)
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Früher sicherlich mehr. Aber je älter man wird, desto stärker nimmt das ab – man weiß einfach mehr was man mag. Und wenn, dann betrifft das lediglich oberflächliche Dinge, bei Grundlegendem bin ich nicht beeinflussbar. Gerade in der Mode ist es doch spannend, dass jeder einen anderen Geschmack hat – man muss nicht unbedingt jedem Trend folgen. Das ist doch das Schöne an den Menschen, dass wir alle so individuell sind – und jeder soll auch so sein dürfen wie er mag.
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?
 
Ja, immer. Ich bin ein äußerst geradliniger Mensch und mir ist es deshalb besonders wichtig, dass mir gegenüber Versprechen genauso gehalten werden.
 
Was ist Ihrer Meinung nach das Statussymbol dieser Zeit?
 
Immer mehr Menschen leben, meiner Meinung nach, zu viel im Außen und fokussieren sich zu sehr auf Oberflächlichkeiten. Nachdem jeder wie der andere sein will, stehen viele Menschen nicht mehr zu ihren eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und dem, was sie eigentlich gerne tun möchten. Leider hetzen wir viel zu oft durchs Leben und existieren nur mehr anstatt richtig zu leben. Dabei würde es oft helfen, ein paar Schritte zurückzutreten und sich wieder mehr auf Qualität anstelle von Quantität zu konzentrieren.
 
Ferne oder Heimat?
 
Heimat – ich bin da ja ganz extrem. Früher war ich, umgangssprachlich ausgedrückt, ein richtiger „Hoamreara“. (lacht) Je älter ich allerdings werde, desto offener werde ich und desto mehr interessieren mich auch fremde Länder und Kulturen. Gerade Europa und auch Österreich haben noch so viel zu bieten und sind so vielseitig, dass es mich persönlich gar nicht so sehr in die Ferne zieht. Ich bin einfach gerne daheim. (lacht)
 
Was sind die Herausforderungen eines Familienbetriebs?
 
In erster Linie ist es eine spannende Entwicklung, die wir alle gemeinsam erleben dürfen. Es ist ein kraftvolles Miteinander, bei dem alle an einem Strang ziehen. Das Wichtigste ist einfach, Familienunternehmen hin oder her, ein ehrliches Miteinander, bei dem man Emotionen nicht immer allzu persönlich nimmt – schließlich kann man sich alles ausreden. Das Wichtigste ist und bleibt die Kommunikation, dass man sich regelmäßig austauscht und miteinander redet. Ansonsten ist sicherlich die größte Herausforderung, dass sich jeder nicht allzu wichtig nimmt und dass man die Stärken und Schwächen der anderen akzeptiert – nur so kann es auf Dauer funktionieren. Das Schöne ist doch, dass es sich um ein Wir handelt – vom Ich zum Wir ist generell das Schönste und Wichtigste im Leben.
 
Wobei können Sie am besten abschalten und entspannen?
 
Natürlich im Kreise meiner Familie, mit meinem Mann und unseren drei Kindern – das ist die schönste und qualitativste Zeit für mich. Ansonsten bin ich gerne und viel in der Natur, das gibt mir Kraft. Ich beschäftige mich sehr viel mit Pflanzen, Kräutern und Bäumen und bin gerade dabei altes Wissen, das schon unsere Vorfahren hatten, für mich zu entdecken.
Außerdem praktiziere ich seit 18 Jahren Qi Gong. Darüber hole ich mir viel Energie, ohne die ich mit Sicherheit meinen beruflichen Alltag mit drei Kindern nicht mit so viel Freude und Begeisterung hätte meistern können. Das Schöne ist, egal ob du Qi Gong oder etwas anderes machst, dass du dir in erster Linie selbst Zeit schenkst und in dich hineinhorchen kannst. Durch Qi Gong habe ich gelernt, die Dinge viel mehr so zu nehmen, wie sie sind – man ist dadurch wesentlich gelassener und befreiter.
 
Weiß- oder Rotwein?
 
Eindeutig beides. Als Weinhändler wäre es ja blöd, wenn ich etwas anderes sagen würde. (lacht) Nein, ich liebe einfach beides – egal ob ein erfrischendes Glas Weißwein zwischendurch oder einen gereiften Rotwein zu einem guten Abendessen.


Welche Persönlichkeit (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne kennenlernen?

 
Mich faszinieren so viele Persönlichkeiten, hauptsächlich solche, die sich selbstlos für andere einsetzen – wie Mutter Theresa oder Nelson Mandela. Papst Johannes Paul II. wollte ich auch immer kennenlernen – Karol Wojtyla war ein Mann, der für mich unglaubliches Charisma besessen hat. Da ich für mein Leben gerne lese, würde ich gerne den tibetischen Mönch Thich Nhat Hanh, den Autor von „Wie Siddhartha zum Buddha wurde“, einmal persönlich treffen – er lebt mittlerweile in Südfrankreich, also gar nicht so weit entfernt. Allerdings ist er schon Mitte 90, also sollte ich mich beeilen, wenn ich ihn noch kennenlernen möchte. (lacht)
Eine Persönlichkeit muss für mich aber nicht immer zwangsläufig berühmt sein – mein größtes Vorbild ist nach wie vor meine Oma. Sie war ihr Leben lang zuhause, hat ihr ganzes Leben sehr viel gearbeitet, hatte nie einen Urlaub oder dergleichen und hat sich immer liebevoll um ihre Kinder, Enkelkinder und Urenkerl gekümmert. Mit ihren 94 Jahren strahlt sie nach wie vor so eine Demut und Zufriedenheit aus und das ist einfach schön zu sehen.
 
Sie sind Mutter von drei Kindern: Wie haben Sie es geschafft Ihre Rolle als Mutter mit Ihrem Beruf zu vereinbaren?
 
Ich muss sagen ohne die Unterstützung meiner Eltern, Schwiegereltern und meiner Großmutter wäre das sicherlich nicht so einfach gegangen – die Kinder waren immer gerne bei allen Omas und Opas und so haben wir nie die Hilfe von jemand Fremdem gebraucht. Das ist selbstverständlich ein Riesenglück, eine große Familie und ein eigenes Familienunternehmen zu haben – wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe jahrelang parallel im Bauunternehmen meiner Eltern in Wals und beim Döllerer in Golling gearbeitet – immer mit den Kindern im Schlepptau. Das hat wunderbar funktioniert, natürlich auch weil die Kinder so unkompliziert und brav waren. Natürlich gab es Phasen der Erschöpfung bzw. dass man das Gefühl hatte, nicht mehr aus seinem Hamsterrad herauszukommen. Zu dem Zeitpunkt habe ich begonnen Qi Gong zu praktizieren, das hat mir sicherlich geholfen, meine Batterien schneller wieder aufzuladen und wieder mehr in meine Mitte zu finden. Ich würde alles jedenfalls immer wieder gleich handhaben.
 
Talent oder Disziplin?
 
Natürlich ist es toll, wenn man ein Talent besitzt. Aber was nützt dir ein Talent, wenn du keine Disziplin hast etwas daraus zu machen? Jeder Mensch hat so viele Potenziale angelegt, von denen er oftmals gar nichts weiß. Das Spannende ist, wenn man diese entdeckt und fördert – und hierfür braucht man natürlich Disziplin und Liebe um sie entfalten zu können, das hat aber mit Talent eben weniger zu tun. Natürlich kann man vieles abwarten, aber ein gewisses Maß an Disziplin ist schon wichtig.
 
Worin haben Sie sich in den letzten zehn Jahren am meisten verändert?
 
Ich bin wesentlich ruhiger geworden. Ich kann mittlerweile viel mehr abwarten als früher. Ich stehe mit Sicherheit auch viel mehr zu mir selbst und meinen Bedürfnissen – das ist mir eigentlich das größte Geschenk, dass ich selbst nicht mehr so streng mit mir bin. Außerdem habe ich gelernt, auch mal „Nein“ zu sagen. Früher habe ich mich wesentlich leichter zu etwas überreden lassen, weil mir die Anerkennung von außen sehr viel wichtiger war. Mittlerweile bin ich einfach ehrlicher mit mir selbst geworden. Das Schönste ist eigentlich, wenn man aufhört sich mit anderen zu vergleichen, dadurch auch nicht mehr so leicht über andere urteilt bzw. sie verurteilt – dann darf einfach jeder so sein wie er ist.

Worauf könnten Sie niemals verzichten?
 
Auf meine Familie. Ansonsten bin ich wirklich dankbar, dass wir hier in dieser Gegend leben und von so viel herrlicher Natur umgeben sind.
 
Stadt oder Land?
 
Land – ich bin eben eine Landpomeranze. (lacht)
 
Was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz?
 
Da gibt es zwei spezielle Plätze - im Bluntautal und am Untersberg. Ein dritter ist direkt hinter unserem Haus am Rabenstein. Ich bin dem Herrgott ja so dankbar, dass mein Mann aus Golling ist. (lacht) Der hätte ja von irgendwo sein können und ich wäre natürlich auch woanders hingezogen. Ich habe meinen Mann ja schon mit 16 Jahren kennengelernt und bin mit 20, als ich schwanger war, endgültig nach Golling gezogen. Da war dieser liebe Ort mit seiner Marktstraße, den kleinen Geschäften, einem tollen Gemeinschaftsleben und unseren Freunden – ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt in Golling.
 
Wovon lassen Sie sich inspirieren?
 
Ich lasse mich von der Natur, von schönen Zeitschriften oder auch von Büchern inspirieren – ich bin ja ein sehr kreativer Mensch. Am meisten fällt mir während meiner Qi Gong-Übungen ein, da bin ich ganz bei mir. Egal ob ich für jemanden ein Geschenk suche,
neue Ideen für unsere Betriebe oder ob ein Problem eine kreative Lösung verlangt – da bekomme ich meist die Einfälle bzw. Antworten. Natürlich bringen einen die Kinder auch immer wieder auf neue Ideen. Man kann von Kindern so vieles lernen. Sie halten einem selbst den Spiegel vor, man muss sich nur trauen hineinzuschauen. Deshalb haben viele Eltern auch Probleme mit Ihren Kindern, wenn sie in der Pubertät sind. Aber wie sagen meine Kinder immer… „Pubertät ist ja, wenn Eltern schwierig werden…“ (lacht)
 
Was macht Ihnen in Ihrem Beruf am meisten Spaß?
 
Die Abwechslung, das kein Tag wie der andere ist. Gerade in unserem Metier beschäftigen wir uns ausschließlich mit den schönsten Dingen – mit dem Essen und dem Trinken. Man versucht dem Kunden oder dem Gast einfach etwas Gutes zu tun und das ist eine sehr schöne Aufgabe.
 
Tradition oder Innovation?
 
Beides. Ohne Tradition würde etwas Wertvolles verloren gehen, schließlich haben wir ja auch die Gene vormaliger Generationen in uns. Mit dieser Tradition im Hintergrund sind Innovationen umso wichtiger um für neue Dinge offen zu sein. Unser Familienbetrieb besteht bereits seit 1909. Da steckt viel Tradition und Verantwortung dahinter, aber gerade bei einem Generationenwechsel ist es wichtig Dinge neu zu gestalten – aber das hat bei uns alles recht gut funktioniert.
 
Puristisch oder verspielt?
 
Sowohl, als auch. Mir ist lediglich eine gewisse Klarheit, sprich klare Linien wichtig. Wenn zum Beispiel ein verschnörkelter Kasten für sich alleine wirken kann, dann ist das wunderbar. Jeder sollte einfach seinen Stil und das, was ihm gefällt, rüberbringen – man fühlt sich dadurch einfach wohler.


Was ist das Geheimnis Ihrer Genusspackerl?

(lacht) Die Genusspackerl sind wie kleine Babys von mir, die ich ins Leben gerufen habe. Sie sind daraus entstanden, dass ich für mein Leben gerne schenke. Die Leute sind mittlerweile schon so übersättigt, aber über gutes Essen, Trinken und ein wenig Firlefanz freut sich jeder – und das hat sehr gut Anklang gefunden. Ich freue mich nach wie vor über jedes Packerl, das ich mache. Bei uns ist alles Handarbeit, das fängt bei den Würsten aus unserer Metzgerei an und hört beim Etikettieren unserer selbstgemachten Marmeladen auf. Man soll bei den Genusspackerl einfach die Liebe und das Herzblut spüren, mit denen sie gemacht wurden. Die Optik der Packerl ist mir dabei besonders wichtig, denn wenn jemand den Betrieb nicht kennt, ist Döllerer’s Genusspackerl wie eine Visitenkarte des Hauses.
 
Welches Buch lesen Sie im Moment?
 
Im Moment lese ich „Engel in meinem Haar“ von Lorna Byrne. Ich lese laufend, alles querbeet – von spirituellen Büchern bis hin zu Biographien. Im Urlaub lese ich auch gerne seichte Liebesromane, bei denen unter der Sonnenbrille die Tränen nur so kullern. Meine Lieben lachen mich dann immer aus, weil ich mich so hinein lebe. Ich liebe einfach Bücher. Mein Mann bekommt immer die Krise, wenn ich wieder mit neuen Büchern nach Hause komme. (lacht) Aber ich finde es einfach bemerkenswert, wenn jemand so toll schreiben kann.
 
Dirndl oder Kleid?
 
Eindeutig Dirndl. Man ist immer angezogen und braucht nicht großartig zu überlegen. Ich habe eine wirklich große Auswahl. Ich habe das Glück gehabt, dass meine Taufpatin, die leider schon verstorben ist, Schneiderin war. Von ihr habe ich viele Stoffe geerbt, aus denen ich mir jedes Jahr ein neues Dirndl machen lasse. Darüber hinaus habe ich von meiner Mama auch etliche Dirndlkleider geschenkt bekommen – zum Glück tragen meine Tochter Laura und ich dieselbe Größe. (lacht)


1. unschlagbares Mutter-Tochter-Gespann 2. Sabine Döllerer mit Tochter Laura


Clutch oder große Handtasche?

Zum Leidwesen meines Mannes: große Handtaschen. (lacht) Der will immer gar nicht hineingreifen, weil ich immer so viel mit mir herumschleppe. Eine Clutch nehme ich nur wenn es sein muss, also meistens am Abend.

Stehen Körper und Geist im Einklang mit Mode und Selbstbewusstsein?

Natürlich. Der Körper ist das Haus der Seele. Wenn du das entdeckst, was dir Spaß macht, dann kannst du das selbstverständlich durch die Mode und dein Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringen. Deshalb sollte auch jeder so sein dürfen, wie er ist und nicht nur etwas anziehen, weil es im Modejournal abgebildet ist. Ich bin sowieso eine, die ein bisschen länger braucht. Ich bin eher der sportive Typ: Bei mir muss es gemütlich und bequem sein, es darf nichts zwicken. (lacht)

Ist Mode für Ihr Selbstvertrauen wichtig?

Ich glaube schon. Mir ist es auf alle Fälle wichtig, mich schön anzuziehen. Es macht mir auch Spaß – da bin ich eine totale Frau. (lacht) Wenn ich mich in meinem äußeren Erscheinungsbild wohlfühle, verleiht mir das mit Sicherheit eine gewisse Art von Selbstbewusstsein. Natürlich muss die innere Grundhaltung erst einmal stimmen um sie nach außen transportieren zu können. Denn was nützt es mir, wenn ich zwar toll angezogen bin, mich aber in meiner Haut nicht wohlfühle?!

Mode ist...?

... der individuelle Ausdruck dessen, was einem gefällt oder was einem auch Spaß macht. Mir gefällt dieses Individuelle. Ich liebe beispielsweise Farben und bin ein total bunter Vogel. Bei mir gilt die Devise: je bunter, desto besser. Natürlich hängt das auch von der Tagesstimmung ab, ich liebe auch Beige- und Grautöne, aber so einen Farbtupfer finde ich schon lustig.

Vielen Dank für dieses Interview.