Im Interview: Roland Trettl

Roland Trettl verhalf dem Restaurant Ikarus im Hangar-7 zu Weltruhm. Nach 10 Jahren verabschiedete sich der Sternekoch 2013 vom Red Bull Imperium um sich eine kreative Auszeit zu nehmen. 2015 startet der gebürtige Südtiroler mit einer eigenen TV-Kochshow neu durch. Im exklusiven Interview verriet uns das Ausnahmetalent warum er keinen Trends folgt, Budapester auch mal in der Küche und Sportschuhe auf einer Gala trägt.


Folgen Sie Trends beim Essen oder in der Mode?
 
Ich folge keinen Trends. Essen und Mode sind Geschmackssache und wenn man einen gewissen Geschmack hat, braucht man meiner Meinung nach keine Trends.
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Ganz schwierig – war ich noch nie! Ich weiß nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Aber beeinflussbar war ich noch nie. Ich bin immer gegen den Strom geschwommen und das war gut so.
 
Lassen Sie sich lieber von einem Mann oder einer Frau beraten?
 
Am liebsten lasse ich mich von einem Mann beraten, der eine gute Portion Sensibilität hat – so wie der Hannes (Herrenberater bei Reyer; Anm.), von dem lasse ich mich am liebsten beraten. Ich habe das Gefühl, dass ein Mann mich besser versteht. Aber ich glaube, dass es Frauen umgekehrt auch nicht anders geht. Mann lässt sich von einem Mann beraten, aber möchte der Frau gefallen.
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?
 
(lange Pause) Ich gehe davon aus! Aber ich denke die Frage ist für andere gedacht, denn ich gebe meine Versprechen ja anderen. Versprechen, die ich mir selbst gebe, halte ich auch. (lacht...)
 


Mit welchem Essen kann man Sie verführen?

 
Mit gutem Essen. Gute Lebensmittel mit Leidenschaft gekocht. Dann ist es ganz egal, was es ist. Weniger ist mehr, je länger ich im Geschäft bin desto mehr stehe ich auf einfache Gerichte.

Handwerk oder Kunst?
 
Handwerk. Ja, Handwerk. Das habe ich mir noch nie überlegt. Aber ganz klar Handwerk, weil es greifbarer ist als Kunst. Natürlich gibt es auch gute Kunst, die zugleich Handwerk ist, aber wenn ich es mir aussuchen kann, dann Handwerk.
 
Jung oder alt?
 
Bei Wein alt, sonst jung.
 
Italien oder Südtirol?
 
In Italien Südtirol - im Ausland Italien.
 
Ist Kochen Fleiß oder Talent?
 
Beides, also 50/ 50! Ohne Fleiß geht nichts und ohne Talent kannst du 24 Stunden arbeiten und wirst es trotzdem nicht schaffen.
 
Welches Geheimnis haben Rezepte heute noch?
 
Rezepte haben keine Geheimnisse und bringen auch nichts, wenn du nicht das Gefühl für’s Kochen hast.
 
Team Player oder Einzelkämpfer?
 
Team Player, wenn ich ein Team habe und Einzelkämpfer, wenn ich alleine bin (lacht).


Dick oder Dünn?

 
Meine Frau dünn, ich dick.
 
Budapester oder Sportschuhe?
 
Beides – auf jeden Fall. Es kommt wirklich auf die Tagesverfassung an. Es kann sein, dass ich mit Sportschuhen auf eine Gala und mit Budapestern arbeiten gehe ... je nachdem wie ich mich gerade fühle.
 
Laufen oder Gehen?
 
Laufen, unbedingt laufen ... wenn du läufst, bist du schneller am Ziel.
 
Stehen Körper und Geist im Einklang mit Mode und Selbstbewusstsein?
 
Es unterstützt auf jeden Fall, denke ich. Ich glaube schon, dass du selbstbewusster auftrittst, wenn du dich auch schön fühlst. Helfen tut es auf jeden Fall.
 
Worin haben Sie sich die letzten zehn Jahre am meisten geändert?
 
Am Alter vor allem! Vor zehn Jahren war ich 33 (lacht). In der Erfahrung, in der Sicherheit, in der Gelassenheit. Es waren zehn gewaltige Jahre, ich weiß nicht, ob man nochmals so einen Sprung macht. Wenn ich überlege, wie ich mit 33 war und wie ich jetzt mit 43 bin. Ich glaube solche Sprünge macht man nicht mehr. Von 23 auf 33 war es nicht so arg wie jetzt. Es ist schon ziemlich viel passiert ... (Roland Trettl hat geheiratet und eine Familie gegründet; Anm.)

Qualität oder Preis?

Die Qualität bestimmt meist den Preis. Viele übertreiben es vielleicht mit dem Preis, aber für gute Qualität muss man bezahlen. Das ist in der Mode so und auch beim Essen.

Schickes Sterne-Restaurant oder lieber zuhause selber kochen?

Zu Hause selber kochen, weil man dann schließlich weiß für wen man kocht und für das Glück des Gastes mitverantwortlich ist. Im Restaurant ist das nicht so, da kenne ich die Leute, für die ich koche, ja meistens nicht.

Mode ist ...?

(Denkt lange nach) Puhh... es sind so viele Sachen, die mir gerade einfallen. Mode ist ... Belohnung für das, was man macht. Ich belohne mich mit Mode. Man arbeitet und dafür belohnt man sich – ich mache das, indem ich in die Mode eintauche. Klar ist: Mode ist Luxus. Kein Mensch braucht mehr als zwei Paar Schuhe zu Hause. Aber warum macht man das? Weil man sich belohnen will. (Sprach es und ging zu Hannes um einzukaufen; Anm.)  

Vielen Dank für dieses Interview.