Im Interview: Michael Wildner

Michael „Michi“ Wildner zählte zu Österreichs besten Leichtathleten. Seine Liebe und Begeisterung fürs Laufen hat er sich ebenso wie seinen Bewegungsdrang auch nach dem Ende seiner Profi Karriere erhalten. Mit dem Vertrieb von Formthotics Schuheinlagen – exklusiv bei Sport & Mode REYER erhältlich – hat sich der gebürtige Halleiner auch beruflich ein sportliches Standbein geschaffen. Erfahren Sie in unserem exklusiven Interview, weshalb sich Michi Wildner selbst als verrückten Fahrrad Touristen bezeichnet und das gleich in mehreren Sprachen zum Ausdruck bringen kann, er ein bekennender Schuhfetischist ist und Österreich schlichtweg wunderbar findet.



Was verbindet Sie mit REYER – Sport oder Mode?
 
In erster Linie meine Lehrzeit, die ich 1985 begonnen habe. Damals war es ja noch ein Sporthaus mit richtigem Vollsortiment. Da gab es von Skateboards über Schwimmreifen bis hin zum Anglerbedarf mit, mal mehr mal weniger lebendigen, Maden alles. (lacht) Ich verbinde mit damals einfach viele lustige Erinnerungen: wir haben beispielsweise Indoor Golfturniere veranstaltet, bei denen versehentlich schon mal Fensterscheiben von innen eingeschossen wurden. (lacht) Das war wirklich eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Ja. Ich denke, dass jeder auf die eine oder andere Art beeinflussbar ist. In welcher Weise das schlussendlich passiert, ist allerdings schwer abzuschätzen. Ich bin jedenfalls der Überzeugung, wenn man grundsätzlich positiv eingestellt ist, lässt man sich sicherlich mehr positiv als negativ beeinflussen.
 
Lassen Sie sich lieber von einem Mann oder einer Frau beraten?
 
Solange ich die Informationen erhalte, die ich mir erwarte, ist mir das grundsätzlich egal. Natürlich schmeichelt es mehr, wenn man von einer Frau beraten wird, die einem versichert, dass einem etwas sehr gut steht. Schließlich zieht man sich ja auch hauptsächlich für die Damenwelt modisch an. (lacht)
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?
 
Ich hoffe. Bis jetzt habe ich noch keine schwerwiegenden Versprechen gemacht, die ich hätte halten müssen – zumindest wäre mir das jetzt nicht bewusst.
 
Laufen oder Gehen?
 
Eigentlich beides. Als ehemaliger Profiläufer halte ich mich natürlich nach wie vor mit Laufen fit. Gehen mache ich hauptsächlich im Sinne von Berggehen. Wenn man mehr Zeit hätte oder sich mehr Zeit nehmen würde, wäre es durchaus sinnvoll Strecken gehend zu bewältigen. Früher habe ich auch einige Trekking Reisen unternommen, bei denen eigentlich das Gehen im Mittelpunkt stand – das war schon toll. Egal ob nun zu Fuß oder auch mit dem Rad: es hat auf jeden Fall etwas, sich selbst irgendwohin zu bewegen.      
 
Welcher Sport raubt Ihnen noch immer den Atem?
 
Das Laufen, das ändert sich wahrscheinlich nie. Obwohl mir während meiner aktiven Zeit immer diese spielerischen Komponenten gefehlt haben. Das habe ich mittlerweile nachgeholt, indem ich wahnsinnig gerne Eishockey oder viel lieber noch Inline Hockey spiele. Seit 15 Jahren spiele ich in einer Truppe und unser Training bildet dabei mein wöchentliches Highlight. Das ist wirklich etwas, bei dem ich mit Leidenschaft dabei bin.
 


Talent oder Disziplin?
 
Beides – im Sport definitiv beides. Das Talent ist irgendwann einmal ausgeschöpft, deshalb braucht man Disziplin um das vorhandene Talent herauszuholen und vorantreiben zu können. Im Arbeitsleben habe ich weit weniger Talent als im Sport, auch weniger Disziplin. (lacht) Ich arbeite zwar gerne, aber mir persönlich ist einfach eine gute Work-Life-Balance wichtiger als viel Geld am Konto.
 
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
 
Sport.
 
Wie/ Wo können Sie am besten abschalten?
 
Beim Sport und beim Reisen. Seit ein paar Jahren reise ich, meistens zu zweit, wahnsinnig gerne mit dem Fahrrad. Man tut dann einfach drei Wochen lang nichts anderes als zu radeln, zu essen und sich nach einem Schlafplatz umzuschauen. Ich bevorzuge dabei Länder wie die Mongolei, Albanien oder auch Armenien. Dort haben Begegnungen mit Menschen einfach einen ganz anderen Stellenwert. Erstens nimmt man Leute, weil es dort nicht allzu viele gibt, ganz anders wahr und zweitens ist es lustig sich mit ihnen zu verständigen. Man lernt dabei die jeweilige Sprache wie ein Kind, indem man auf Dinge zeigt. Ich schreibe mir dann diese Wörter immer auf einen Karton, den ich am Lenker festklebe. Am Ende einer Reise hat man dann meistens einen Wortschatz von 25 Wörtern. Auf Armenisch konnte ich zum Beispiel sagen, dass wir zwei verrückte Fahrrad Touristen aus Österreich sind. (lacht) Wenn du so etwas sagst, ist das Eis natürlich schnell gebrochen. (lacht)     
 
Was ist Ihr Lieblingsplatz?
 
Ich würde sagen Österreich und das Salzburger Land im Speziellen. Durch meinen Beruf, meine Reisen und vor allem durch meinen Sport habe ich wirklich viele Länder kennengelernt. Und ich muss sagen, dass Österreich einfach wahnsinnig viele Möglichkeiten bietet, insbesondere wenn man gerne in der Natur ist. Und wo sonst kann man sich einfach ins Auto setzen und ist innerhalb weniger Stunden in mindestens fünf verschiedenen Kulturkreisen – das ist schon richtig cool.

Welche Persönlichkeit (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne einmal kennenlernen?
 
Bono Vox, da ich früher ein wirklich großer U2 Fan war.


Michi Wildner bei Sport & Mode REYER in Hallein
Michi Wildner bei Sport & Mode REYER in Hallein

Ferne oder Heimat?
 
Heimat mit Ferne. Um die Heimat sozusagen immer wieder aufzuwerten, braucht man die Ferne. Wenn man immer wieder mal wegfährt, bekommt man einen gesunden Blick auf die Dinge und lernt die Vorteile zuhause zu schätzen. Ich möchte nicht von hier weg ziehen, mir gefällt es einfach bei uns. 
 
Rucksack oder Reisekoffer?
 
Rucksack. Solange ich kann, möchte ich Low Budget Tourist bleiben und mit dem Rad Länder erkunden. Es kostet einfach weniger Geld und bietet mehr Erlebnisse. Schließlich schauen 4 Sterne Hotels überall gleich aus, das kann ich immer noch machen wenn ich älter bin. (lacht)
 
Wenn Ihnen jemand ein Blanko Ticket schenken würde: Wohin würden Sie fliegen?
 
Als Rationalist würde ich mir das aussuchen, was am weitesten entfernt liegt und demnach das teuerste Ticket wäre. (lacht) Ich wollte aber immer schon einmal nach Neukaledonien, das ist östlich von Australien. Vom französischen Fotografen Yves Bertrand gibt es das Buch „Die Erde von oben“. Ein Bild zeigt einen Mangrovenwald in Herzform und dieser Wald liegt eben in Neukaledonien. Ich habe zwar schon gehört das die Leute dort sehr unfreundlich sein sollen, aber mit einem geschenkten Ticket könnte man das ja persönlich herausfinden. (lacht)
 
Was ist Ihr Lieblingskleidungsstück?
 
Im Winter auf jeden Fall die Haube, aber das ist auch beruflich bedingt. (lacht) (Michi Wildners Geschäftspartner Christian „Kiwi“ Riegler gründete 2007 das Hauben Label Riggler; Anm.) Ansonsten mag ich kurzärmelige T-Shirts, die ich auch immer irgendwie mit Sport verbinde.
 
Worin haben Sie sich in den letzten zehn Jahren am meisten verändert?
 
Ich fürchte, ich habe mich in den letzten zehn Jahren gar nicht so sehr verändert. (lacht) Vielleicht am meisten noch in der Gelassenheit. Man wird mit den Jahren einfach gelassener, man muss auch nicht mehr immer und überall dabei sein. Ich bin in vielen Bereichen, sei es beim Sport oder im Beruf, wesentlich entspannter als früher. Es gibt wenige Dinge, die mich belasten oder gar aufregen – man muss einfach cool bleiben.  
 
Team Player oder Einzelkämpfer?
 
Team Player, trotz dessen, dass ich lange Zeit Einzelsport betrieben habe. Ich glaube gerade deswegen zieht es mich umso mehr zu diesen ganzen Spielsportarten hin. Mir taugt es einfach mit anderen Leuten etwas im Team zu machen. Mittlerweile steht natürlich nur mehr der Spaß im Vordergrund – das ganze Wettkampfthema hat sich mit dem Ende meiner aktiven Laufzeit erledigt.
 
Körper oder Geist?
 
Körper – der Geist kommt hoffentlich später noch nach. (lacht)

Budapester oder Laufschuhe?

Obwohl ich sogar solche schönen Schuhe besitze, passen Sportschuhe (im Moment noch) besser zu mir. Ich muss gestehen, dass ich ein leichter Schuhfetischist bin. Bei mir schaut es eigentlich aus wie bei einer Frau, nur mit wesentlich größeren Schuhen – das ist mittlerweile ein echtes Platzproblem. (lacht) Witzigerweise fand ich es als Jugendlicher cool, einen etwas gediegeneren Stil zu tragen. Mittlerweile muss ich das schon umgekehrt machen – jetzt muss ich einen auf jung machen. (lacht) Zum Glück kann man Turnschuhe heutzutage zu allem anziehen.

Was bedeutet Ihnen Sport heute und damals?

Damals war Sport mein Lebensmittelpunkt. Ich habe alles eingesetzt um so erfolgreich wie möglich zu sein. Das Wichtigste ist, wenn man aufhört professionell Sport zu treiben, dass man das Gefühl hat alle Möglichkeiten ausgereizt zu haben – und das ist mir ganz gut gelungen. Sport wird immer einen zentralen Punkt in meinem Leben einnehmen. Ich habe zwar nicht mehr die Notwendigkeit jeden Tag trainieren zu müssen, trotzdem versuche ich aktiv und leistungsfähig zu bleiben.

Würden Sie heute etwas anders machen (als in Ihrer aktiven Zeit)?

Ja. Ich kann es ja fast nie glauben, wenn jemand sagt, er würde alles noch einmal ganz genauso machen. Mit meinem heutigen Wissen und Erfahrungen würde ich sicherlich einiges anders machen. Aber grundsätzlich bin ich schon zufrieden, so wie es gelaufen ist.

Ist Mode für Ihr Selbstvertrauen wichtig?

Ja. Ich glaube, es gibt nur wenige, denen Mode völlig egal ist. Ich hatte in der Hauptschule ein modisches Schlüsselerlebnis. Ich hatte mir mit 15 zum ersten Mal und ohne meine Mutti eine Hose gekauft. Eine Schulkollegin hat daraufhin zu mir gesagt, dass sie meine Hose cool findet. Das war der Moment, als mir bewusst wurde, dass Kleidung eine Außenwirkung hat. Ab dem Zeitpunkt habe ich dann etwas mehr darauf geachtet. Ich war zwar nie ein early bird, der als Erster bei den Trends dabei war, aber ich habe immer versucht meinen eigenen Stil zu tragen.

Mode ist...?

… was Nettes. Man sollte Mode natürlich nicht überbewerten, aber mir gefällt, wenn sich Leute grundsätzlich schön anziehen. Ich bin jemand, dem das auffällt und der das auch wahrnimmt. Es gibt ja viele, für die ein Schuh einfach nur ein Schuh ist – was für mich als Schuhfetischisten undenkbar wäre. (lacht)

Vielen Dank für dieses Interview.