Im Interview: Manfred Steinlechner

Als Leiter des erzbischöflichen Bauamtes trug Manfred Steinlechner bis zu seiner Pensionierung maßgeblich zum modernen Erscheinungsbild von Salzburgs Pfarrhöfen und Kirchen bei. Inspiration findet und fand der kreative Baumeister nicht nur in der Natur und auf Reisen, sondern vor allem in Europas reicher Baugeschichte. Schließlich sieht der gebürtige Halleiner in der Tradition den steten Motor von Innovationen. Im exklusiven Interview verriet uns der Schöngeist, wie er sich gerne selbst bezeichnet, weshalb er auch mal einen Auftrag ablehnt, ein Leben ohne Mode als Irrtum empfindet und für sich selbst noch mal gerne ein Haus entwerfen würde.


Manfred Steinlechner im Gespräch bei Sport & Mode REYER
Manfred Steinlechner im Gespräch bei Sport & Mode REYER


Was verbindet Sie mit REYER?

Eine langjährige Freundschaft mit der Familie, die bereits seit meinem fünften Lebensjahr besteht und das sind immerhin schon 63 Jahre. (lacht) Ich habe den gesamten Werdegang, den Aufbau von der Wagnerei bis hin zum Geschäft, wie es heute ist, miterlebt. Ich habe einen großen Respekt vor der Familie Reyer und dem was sie geschaffen haben – auch das verbindet mich.
 
Folgen Sie Trends, in der Architektur oder in der Mode?
 
Trend ist ein sehr schwieriges Wort. Ich mache nichts, egal ob in der Mode oder in der Architektur, weil es gerade als Trend gilt. Ich muss einfach davon überzeugt sein, dass es gut ist. In der Architektur muss es gut für die Nutzer sein und bei der Bekleidung muss es gut für mich sein. Es geht doch letztendlich darum, dass man sich wohlfühlt. Insbesondere was Mode betrifft, war ich schon als kleiner Bub sehr anspruchsvoll. Schließlich möchte ich auch meiner Umwelt einen halbwegs erfreulichen Anblick bieten. (lacht)
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Beeinflussbar eher nicht, nein. Wie ich vorhin schon sagte, ich muss einfach von einer Sache und von dem, was ich tue, überzeugt sein. Ansonsten kann ich sehr gut zuhören und mache mir daraus dann mein eigenes Bild und meine Meinung.
 

Zwei, die sich verstehen - Manfred Steinlechner und Modeberater Hannes
Zwei, die sich verstehen - Manfred Steinlechner und Modeberater Hannes

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
 
Von meiner Umwelt und von den Dingen, die mich umgeben. Selbstverständlich auch von der Natur, denn die Natur ist für mich von enormer Bedeutung. Ich habe in mir sogar so etwas, das man Schöpfungsverantwortung nennt. Die Natur ist eine wunderbare Schöpfung, die man achten und auf die man aufpassen muss. Denn was würden wir machen, wenn die Natur einmal nicht mehr funktioniert? Es gäbe keine Grund- und Rohstoffe mehr, aus denen beispielsweise Kleidung gemacht wird. Dieses Szenario muss man sich einmal bewusst machen. Und das ist der springende Punkt: wir Menschen sollten generell viel bewusster und dankbarer leben.    
 
Lassen Sie sich lieber von einem Mann oder einer Frau beraten?
 
Das ist mir nicht so wichtig. Für mich zählt ob der- oder diejenige meinen Typ richtig erkennt. Das geht bei mir sogar so weit, dass ich auch ein Verkaufsgespräch abreche, wenn ich merke, dass etwas überhaupt nicht meinem Typ entspricht. In dieser Hinsicht bin ich vielleicht ein bisschen empfindlich, aber mir ist es einfach wichtig, dass man mich richtig einschätzt. Aber  da bin ich hier bestens beraten – da kann man nichts dagegen sagen. (lacht)
 
Form oder Funktion?
 
Die Form entsteht aus der Funktion. Das gilt sowohl für die Architektur, wie auch für die Mode. Wenn man etwas kreiert, muss man als erstes wissen, was und wofür man etwas kreiert und das ist die Funktion. Aus der Funktion entsteht dann, ganz banal gesagt, das Rundherum.
 
Bauwerk oder Kunstobjekt?
 
Ein Bauwerk sollte ein Kunstobjekt sein. Ein Bauwerk ohne den künstlerischen Aspekt ist wohl denkbar, aber es ist nicht gut. Am schönsten ist natürlich, wenn man ein Bauwerk als  Kunstobjekt bezeichnen kann. Für mich ist es ganz wichtig, dass das Bauwerk selbst Kunst darstellt. Das kann etwas ganz Einfaches sein, zum Beispiel eine Garage, genauso aber eine Villa oder ein großes Gebäude.
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?
 
Ich versuche es. Ich habe in meinem Leben zweimal ein Versprechen nicht gehalten, das ich gegeben habe. Dabei spreche ich meine Scheidungen an, aber das hatte andere Gründe. Aber im Wesentlichen bin ich ein Mensch, auf den man sich verlassen kann.  
 


Was ist Ihrer Meinung nach das Statussymbol dieser Zeit?

 
Geld. Und das ist, meiner Meinung nach, eine völlig verkehrte Entwicklung. Geld steht bei allem im Vordergrund. Es dreht sich alles nur mehr um Umsätze, Gewinnoptimierung und –maximierung. Natürlich ist es wichtig, wenn man Geld zur Verfügung hat, aber Geld als Statussymbol ist der falsche Weg. Das Statussymbol an sich ist ja völlig verkehrt. Wenn man authentisch ist, braucht man kein Statussymbol, aber hierfür ist es wiederum wichtig zu wissen, wer man ist.

Handwerk oder Kunst?
 
Das kann man nicht miteinander vergleichen. Es ist sowohl das Handwerk, als auch die Kunst sehr wichtig. Was ich allerdings nicht mag, ist Kunsthandwerk. (lacht) Ich weiß, dass ich mich mit dieser Aussage bei einigen Leuten unbeliebt mache, aber ich finde die Gefahr beim Kunsthandwerk besteht darin, dass es sehr leicht in die Mittelmäßigkeit abrutscht.

Schöngeist oder Pragmatiker?
 
Das ist mein wunder Punkt. (lacht) Wenn Sie mich persönlich fragen: Schöngeist. Ich gebe es zu, ich umgebe mich einfach gern mit schönen Dingen. Genauso freut es mich aber, wenn ich in der Früh aus dem Fenster schaue und der Untersberg rosarot leuchtet. Für mich bedeutet schöngeistig, dass man sich eben nicht nur mit Materiellem umgibt, sondern sich auch an den einfachen Dingen des Alltags erfreuen kann.
 
Was ist Ihnen persönlich bei der Gestaltung eines Hauses wichtig?
 
Zuallererst das Gespräch mit den künftigen Nutzern, aus dessen Verlauf sich dann das Haus entwickelt. Am wichtigsten ist doch, dass sich der Nutzer wohlfühlt. Ich habe sogar einmal einen Auftrag abgelehnt. Damals kam ein Paar zu mir, dem ich ein Haus entwerfen sollte. Sie wohnten in einem lieben kleinen Haus, das ihnen allerdings zu wenig repräsentativ war, wenn Freunde zu Besuch kamen. Ich war und bin nicht der Richtige dafür, denn ein Haus sollte schließlich für die Nutzer und nicht für deren Freunde oder Bekannte sein.
 


Worauf achten Sie bei einem Bauwerk?

 
Auf die Qualität. Die Qualität eines Bauwerkes ist mir besonders wichtig. Natürlich achte ich auch auf eine ganze Reihe anderer Dinge wie den Finanzen und das Budget. Aber in erster Linie achte ich immer auf die Qualität. Wenn ich in einer fremden Stadt bin, spielt die Geschichte, gerade bei sakralen Gebäuden, ebenfalls eine tragende Rolle. Insbesondere der Respekt vor den Leuten, die das gebaut haben und natürlich auch der Respekt vor der Geschichte selbst.    

Tradition oder Innovation?
 
Innovation. Das Schlimmste ist für mich Stillstand. Wobei auch die Tradition einen großen Stellenwert einnimmt, denn aus der Tradition entsteht Innovation. Gerade in Europa sind wir  mit Tradition gesegnet, aus der wir schöpfen können. Infolgedessen ist bei uns auch die Baukunst so hoch entwickelt. Die Geschichte und die Tradition bilden eine wahre Fundgrube für Architekten, den Baukünstlern von heute.      
 
Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?
 
In erster Linie den Umgang mit Menschen. Darüber hinaus, dass ich etwas Nützliches schaffen kann und dabei, nicht immer, aber doch häufig, kreativ sein kann.

Was ist Ihr Markenzeichen?
 
Ich bin selbst mein bestes Markenzeichen, ich bin einfach so wie ich bin. Und wer mich nicht will, der kriegt mich auch nicht. (lacht) Natürlich bin ich auch nicht immer ganz einfach. Aber ich habe gelernt für so vieles einfach dankbar zu sein. Dankbar, dass ich mir hier etwas kaufen kann, dass ich es mir leisten kann und darf und selbstverständlich dass ich überhaupt die Möglichkeit dazu habe. In meinem Leben ist mir Dankbarkeit einfach ganz wichtig und vor allen Dingen der Wunsch, möglichst authentisch zu leben.    


 

Was würden Sie gerne noch entwerfen?
 
Ein Haus für mich, ein Alterswerk sozusagen. Ich habe schon immer sehr gerne Wohn- und Familienhäuser gebaut. Mir ist einfach der intensive Kontakt mit Personen äußerst wichtig. So gesehen würde ich gerne noch einmal ein Wohnhaus entwerfen und es könnte durchaus sein, dass es noch eines für mich ist, obwohl ich schon eines besitze. (lacht)
 
Ferne oder Heimat?
 
Heimat, obwohl es mich auch immer wieder in die Ferne zieht. Ich reise sehr gerne, komme aber auch immer wieder gerne zurück. Wenn man sich zuhause verwurzelt und wohl fühlt, fällt es einem auch leicht wegzufahren. Schließlich weiß man, wo man hingehört, ohne dass man starr daran festhalten muss. Außerdem genieße ich bei uns den Wechsel der Jahreszeiten. Ich fände es furchtbar in einen Land zu leben, in dem immer nur Sommer oder Winter herrscht.

Sakko oder Strickjacke?
 
Sakko.

Welche Persönlichkeit (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne kennenlernen?

Also ich würde gerne Jesus kennenlernen. Ich glaube, dass er uns viel zu sagen hätte. Sonst gibt es natürlich viele, zum Beispiel Mozart. Mich würde das Leben interessieren, das er geführt hat. Es war zwar kein langes, dafür ein intensives Leben.


Worin haben Sie sich in den letzten zehn Jahren am meisten verändert?

In meiner Geduld und in meiner persönlichen Freiheit. Ich bin wesentlich freier geworden und kann jetzt so sein wie ich bin. Das ist aber ein ganz natürlicher Prozess, der auch mit dem Alter kommt. Beruflich habe ich zum Beispiel gemerkt, dass ich mit steigender Verantwortung freier werde. Mittlerweile brauche ich weder mir, noch anderen mehr etwas beweisen und das genieße ich.

Ist Mode für Ihr Selbstvertrauen wichtig?

Vielleicht bis zu einem gewissen Grad, aber nicht ausschließlich. Fürs Selbstvertrauen sind andere Dinge wesentlich wichtiger. Dennoch ist Mode eine angenehme Begleiterscheinung, die mir, gerade als Schöngeist, sehr viel gibt. (lacht)

Mode ist...?

... etwas Wunderschönes im Leben – und wichtig. Wie hat Nietzsche einmal so schön gesagt: ein Leben ohne Musik ist Irrtum. Für mich gilt: ein Leben ohne Mode ist Irrtum. Natürlich möchte ich auch nicht auf klassische Musik verzichten müssen, denn die gehört neben der Fotografie zu meinen Hobbies. Da kommt wieder der Schöngeist in mir zum Vorschein. Es tut halt einfach gut, sich schöne Dinge zu kaufen. (grinst)

Vielen Dank für dieses Interview.