Im Interview: Lois Hechenblaikner

Lois Hechenblaikner will mit seinen Bildern und Kunstwerken zum (Um-)Denken anregen. Der gebürtige Tiroler hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gnadenlosen Skitourimus in seinen einzelnen Elementen darzustellen. So wie er tatsächlich ist – rau, ehrlich, schonungslos. Ebenso ehrlich war das exklusive Interview, das uns Lois Hechenblaikner gegeben hat.
Die eindrucksvollen Werke des Künstlers sind noch bis Ende Jänner 2015 bei Sport & Mode REYER ausgestellt.

Karl und Alexandra Reyer mit Lois Hechenblaikner
Karl und Alexandra Reyer mit Lois Hechenblaikner

Was verbinden Sie mit Reyer?

Reyer ist ein Modehaus mit Vision. Reyer ist Trendsetter, Richtungsgeber, Modegestalter.
 
Folgen Sie Trends, in der Kunst oder in der Mode?
 
Nein, ich bringe mich selbst hervor und folge keinen Trends. Vielleicht schaffe ich es selbst irgendwann, etwas hervorzubringen, das in der Kunstwelt als Trend definiert wird – aber ich arbeite unabhängig davon.
 
Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Hmm... Von meinem beruflichen Tun. Von den Dingen, die um mich herum passieren. Ebenso von Literatur, Weltliteratur von Elias Canetti, C.G. Jung oder auch von Erich Fromm – das sind für mich wichtige Einflüsse.
 
Was hat Sie zur Serie Après-Ski inspiriert?
 
Die Hinterbühne des massentouristischen Getriebes. Man muss sich das folgendermaßen vorstellen: Auf der Vorderbühne findet der Tourismus statt und ich befinde mich vielfach auf der Hinterbühne. Mich interessieren die Bilder, die der Gast nicht sieht. Was danach passiert. Die Geschehen, während er im Hotel oder schon nach Hause gefahren ist. Dann betrete ich die Bühne, die nicht jedem zugänglich ist und bringe diese Bilder in den Vordergrund, die sonst eigentlich im Hintergrund verborgen sind.  
 
Abstrakt oder realistisch?

Beides.

Naturbursche oder Stadtmensch?
 
Naturverbundener Stadtmensch (lacht). Ich komme ursprünglich aus dem tirolerischen Alpbachtal und lebe jetzt allerdings in der Stadt.

Lieber allein oder in der Gruppe?
 
Beruflich bin ich überwiegend allein unterwegs. Ansonsten habe ich meine Familie, meine private Gruppe.
 
Alt oder neu?
 
Beides ist ganz wichtig. Die kulturhistorische Substanz und Inspiration, z.B. durch moderne Architektur ist für mich ganz wichtig.  
 
Tradition oder Innovation?
 
Wieder beides. Ohne Tradition keine Wurzeln, kein Fundament – dann ist man beim „Silikon Amerikaner“.
 
Was ist Ihr nächstes Projekt?
 
Ein Buchprojekt, an dem ich bereits seit 20 Jahren arbeite. Es ist ein Buch über das Fan Publikum der Volksmusikszene. Mehr möchte im Moment aber noch nicht verraten.

Was reizt Sie an diesem Thema und grundsätzlich an der Tourismuskritik?
 
Nachdem ich in Tirol lebe, fällt mir der Wandel, den der Tourismus mit sich bringt, natürlich besonders auf. Mit meinen Bildern drücke ich aus, was mich bewegt. 1997 wurde sogar eine meiner Fotoausstellungen verboten. Das hat mich dazu bewegt weiterzumachen und dies mit einer gewissen Stringenz zu verfolgen.
 
Sommer oder Winter?
 
Beides. Im Sommer bin ich fotografisch in der Volksmusikszene unterwegs. Im Winter beschäftigt mich hingegen der gesamte Skitourismus, ebenso die Après Ski Industrie als Berauschungsinstrument.
 
Welche Persönlichkeit würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Mahatma Gandhi. Mich beeindruckt dessen gewaltfreier Widerstand und seine geistig spirituelle Haltung.
 
Was ist Ihrer Meinung nach das Statussymbol unserer Zeit?

Ein entfremdeter, durchgeknallter, entgrenzter Kapitalismus. Der mehr Schaden anrichtet als Glück bringt – so wie die finanziellen Mittel momentan eingesetzt werden. 
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?

Ja.

Worin haben Sie sich in den letzten 10 Jahren am meisten verändert?

Indem ich geheiratet und mit meiner Frau zwei Kinder bekommen habe.
 
Hüttengaudi oder Hüttenzauber?

Beides äußerst fragwürdig, weil es von der Tourismusindustrie mittlerweile künstlich aromatisiert wurde.
 
Skifahren oder Apres-Ski?

Wenn schon, dann Skifahren. Après Ski verfolge ich rein fotografisch.
 
Ist Mode für Ihr Selbstvertrauen wichtig?

Nein, für mich nicht. Mode gefällt mir sehr gut, aber ich brauche sie nicht für mein Selbstvertrauen. Ich habe zur Mode eher einen sinnlichen, ästhetischen Zugang, aber sie macht aus mir deswegen keinen anderen Menschen.
 
Mode ist ...?

... richtungsweisend. Mode ist Trendsetter und für viele Menschen äußerst wichtig. Mode kann viele Menschen unglaublich beglücken, unterhalten, neugierig machen. Es bietet endlosen Gesprächsstoff für Frauen (lacht). Für manche ist Mode einfach Lebenselixier.