IM INTERVIEW: das team von warm-me

IRIS & CHRISTIAN OBOJES UND THERESA STEINBACHER

Als Iris und Christian Obojes am vergangenen Dienstagmorgen in unserem Store durch die Tür schreiten scheint es, als ob gute Freunde zu Besuch kämen. Und so ist es auch – die room with a view-Gründer sind nicht nur alte Hasen in der Modeszene sondern auch treue Wegbegleiter von REYER. Nach einer herzlichen Begrüßung geht aber kein Weg an einem guten Kaffee vorbei. Da stößt auch schon Theresa hinzu, eine durch und durch positive Erscheinung, die das Dreiergespann komplett macht. Darauf folgt das erste Gelächter (eines von zahlreichen!), denn alle tragen einen Sweater aus der aktuellen Warm-ME Kollektion. „Nicht abgesprochen“ versichern alle, denn er zähle zum derzeitigen Favoriten. Nach einer zweiten Runde Kaffee starten wir das Interview. Und wieder ist es so, als ob wir uns mit Freunden zum Kaffee verabredet hätten: 

Christian, Du bist in Innsbruck geboren. Warum hat es Dich nach Salzburg verschlagen? 

Ich war früher schon viel beruflich in Salzburg unterwegs. Damals habe ich bei Diesel Jeans gearbeitet, dessen Showroom hier ist. So habe ich auch meine Frau Iris kennengelernt, was dann letztendlich der ausschlaggebende Grund war, weshalb ich wirklich nach Salzburg gekommen bin. Davor habe ich einen Vertrieb für Snowboards gehabt, habe in der Gastronomie gearbeitet und eine klassische Ausbildung im Modeeinzelhandel absolviert. So habe ich alles von der Picke auf gelernt. Mode und Gastronomie liegen so eng beieinander, beides fasziniert mich noch heute.

Iris, Du bist gebürtige Salzburgerin?

Ja, ich bin Bad Gasteinerin.

Und Du, Theresa?

Ich bin Salzburgerin! 

Ähnlich wie bei Alexandra und Karl Reyer führt auch ihr gemeinsam eure Agentur room with a view. Wie funktioniert das?

Iris: Erstaunlicherweise sehr gut. Was auch daran liegt, dass wir zwei getrennte Arbeitsbereiche haben. Trotzdem redet der andere immer wieder mit rein. Ich denke, dass wir beide einfach nicht nachtragend sind. Wir diskutieren oft, finden aber auch einen gemeinsamen Nenner, mit dem wir beide zufrieden sind. 

Christian: Ich persönlich muss und will nicht alles können oder alleine entscheiden müssen. Ich finde es besonders gut verschiedene Meinungen zu hören. Es gibt sicherlich Menschen, die alles alleine machen und alleine entscheiden wollen. Ich habe mich aber zu sehr an das gemeinsame Abstimmen gewöhnt. Natürlich gibt es auch Nachteile. Viele Entscheidungen dauern oft ein bisschen länger. Auf der anderen Seite ist es aber schön mit einem coolen Team zusammen zu arbeiten. Wir sind da echt eine coole Mannschaft! 

1. welcome to our room with a view! Die Showroom Adresse in der Stelzhamerstraße ist eine wahre Augenweide 2. meet me: das französische Bistro kann für verschiedene Anlässe angemietet werden

Wie kam der Name „welcome to our room with a view“ zustande?

Es ist ein Motto, das uns schon ewig begleitet. Es ist die Idee unter einem Dach alles zu vereinen, was wir schon einmal gemacht haben oder noch ausbauen möchten. Am Liebsten hätten wir neben unseren Showrooms noch eine Bar oder ein Restaurant. Eben Zimmer oder Räume mit einer besonderen Aussicht. Teilweise haben wir das ja bis jetzt mit unserem Bistro schon verwirklicht – auch eine Werbeagentur und ein Fotograf im Haus lockern unsere Modeagentur bereits auf. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt...

Beschreibt kurz die Arbeit in eurer Modeagentur!

Theresa: In der Agentur bist du der Vermittler zwischen dem Brand und dem Händler. Du bist sozusagen der Serviceberater von beiden. Wir präsentieren den Händlern verschiedene Kollektionen und repräsentieren die Marken. Wir sind aber zudem Ansprechpartner für beide und kümmern uns bei Fragen und Problemen, zum Beispiel bei der Auslieferung der Kollektion. Auch Schulungen übernehmen wir im Auftrag der Marken.

Christian: Wir sind auch dafür verantwortlich die Marke im jeweiligen Land aufzubauen und an positive und gute Händler zu vermitteln. Außerdem finden die Händler und Läden, die nicht aktiv in der Welt herumreisen können, bei uns eine besondere Auswahl von Newcomer Brands. 

1. Stilvoll arrangiert: die Kollektionen werden im Showroom besonders kreativ ausgestellt

Iris: Die Marke hat ja meistens das Ziel, dass sie im Land flächendeckend vertreten sein möchte. Das sie nicht nur in drei Läden verkauft wird, sondern irgendwann einmal für viele sichtbar wird. Dafür ist eine lokale Agentur am Besten. Wir haben das richtige Händlernetzwerk und die Kontakte.

Euer Job ist es also Labels zu entdecken und bekannt zu machen?

Christian: Von den Agenturanfängen an bauen wir ausschließlich Marken auf. In dieser Saison war es das erste Mal, dass wir eine Marke aufgenommen haben, die bereits seit vielen Jahren auf dem Markt besteht und bekannt ist. Wir haben alle Labels von null aufgebaut.

Iris: Je nach Finanzkraft der Marke, Marketingbudget oder Werbung geht es halt schneller oder langsamer.

Was macht den Standort Salzburg für euch so besonders?

Theresa: Was Mode und Vertrieb in Österreich betrifft ist Salzburg der wichtigste Standort. Alle Showrooms und Labels findest Du hier.

Christian: Salzburg liegt mehr in der Mitte als alle anderen Städte. Früher war das teilweise noch Wien. Aber alle Händler zieht es eher an den zentralsten Punkt, und das ist Salzburg. In Italien war früher ja auch Florenz der Modemittelpunkt, erst später ist das nach Mailand gerutscht. Und es ist natürlich die Liebe zu dieser Stadt! Habe ich schon erwähnt, dass Salzburg erst kürzlich von einem amerikanischen Reisemagazin auf Platz 8 der beliebtesten Städte weltweit gewählt wurde?

Welche Rolle spielst Du in der Agentur, Theresa?

Vor 12 Jahren habe ich in der Agentur angefangen und dort verschiedene Bereiche kennengelernt. Davor konnte ich mir nie vorstellen in Salzburg zu bleiben. Aber der Liebe wegen und weil sich beruflich so viel entwickelt hat, bin ich geblieben. Als wir 2011 mit Warm-ME angefangen haben war mir klar, dass das für mich beruflich der „Next Step“ ist. Endlich konnte ich aus einer lokalen Firma heraus international arbeiten. Ein spannendes Projekt, bei dem ich von Anfang an dabei bin. Zeitweilen habe ich dann parallel in der Agentur und für Warm-ME gearbeitet, seit 3 Jahren kümmere ich mich ausschließlich um Warm-ME.

Aus welcher Motivation habt ihr Warm-ME gegründet?

Theresa: Wir wollten einfach ganz schnell ganz reich werden. Das ist aber nicht aufgegangen. (lacht) 

Christian: Wir wollten gleich ganz oben anfangen, also bei der Haube. (lacht) Als Modeagent suchst Du immer nach neuen Nischen und Produkten, die einzigartig sind. Ein Produkt mit dem Du in einer Kategorie der Beste wirst. So wie man bei Falke immer an Socken denkt oder bei Sneakers an Adidas. Mit vielen Marken oder Produkten, wie zum Beispiel der Jeans haben wir das schon in der Agentur geschafft. Auch mit meinem eigenen Label Retrofame habe ich Anfang der 2000er Jahre international Erfolg gehabt. Leider haben sich mein damaliger Partner und ich getrennt und auch aus finanziellen Gründen mussten wir das Label aufgeben. Dieses Projekt hätte super klappen können und das lag mir immer im Magen. Angetrieben davon und dem Gedanken es nochmal zu schaffen haben wir dann ein Nischenprodukt gefunden: Die Mütze! Bis zu diesem Zeitpunkt konzentrierte sich nur die Sportswear auf dieses Produkt. Und dann haben wir das einfach gemacht. Wir haben ein Team zusammengestellt, sind auf Messen gefahren und haben bereits mit unserer ersten Kollektion 50 Aufträge geschrieben.

Beachtlich! Und in diesem Jahr habt ihr eure Kollektion sogar erweitert...

Theresa: Die Frage bei uns war ja immer: was machen die Warm-ME Menschen im Sommer, außer Urlaub? Wir wollten aus Warm-ME ein Ganzjahresprojekt machen, auch um unsere Strickerei in Nepal das ganze Jahr über zu beschäftigen. Nachdem wir alle drei T-Shirt Liebhaber sind, war klar, dass wir T-Shirts aus eben dem feinen Kaschmir fertigen wollen, aus dem auch unsere Mützen sind. Auch hier war es das Ziel ein nachhaltiges Produkt zu schaffen, das man das ganze Jahr tragen möchte. Nicht zu Basic, nicht zu Fashion. Viele Farben und Details. Eben all das, was auch eine Warm-ME Mütze ausmacht.

Christian: Gibt es denn etwas Schöneres als einen handgestrickten Sweater? Sicher braucht diese Weiterentwicklung noch etwas Zeit. Mit Sweatern und T-Shirts schwimmen wir sicherlich in einem weitaus größeren Haifischbecken, als mit dem Produkt Mütze. Aber unsere hauchdünnen Kaschmir T-Shirts in 30 bis 40 verschiedenen Farben sind schon etwas Besonderes. Für mich ist die Mütze außerdem ein Ganzjahresprodukt, denn irgendwo auf der Welt ist immer Winter.



Stichpunkt: Nachhaltigkeit. Ein zentrales Element eures Arbeitens. Wie definiert ihr das?

Theresa: Nachhaltigkeit ist natürlich zu einem sehr umstrittenen Begriff geworden, vor allem in unserer Branche. Für die Fertigung unserer Warm-ME Mützen haben wir uns bewusst ein Land ausgesucht, das bekannt für sein traditionelles Handwerk und die Kaschmirverarbeitung ist: Nepal. Für uns war der Preis nicht das Ausschlaggebende, viel wichtiger war uns, dass wir 80 Strickerinnen ein regelmäßiges Einkommen garantieren können. 

Iris: Genau, wir möchten konstant mit der Firma zusammenarbeiten. Im Gegenzug bieten sie uns viel Flexibilität, die wir in anderen, größeren Firmen nicht finden. Wir müssen zum Beispiel auf keine einzige Standardfarbe zurückgreifen, weil jede der 30 Farben extra für uns gefertigt wird. In großen Produktionen ist das so nicht möglich.

Christian: Dazu hatte ich kürzlich ein nettes Erlebnis: Auf einer Messe sprach mich ein Mann an und fragte mich, was uns die Fertigung einer Kaschmirmütze kostet. Prompt bot er mir einen deutlich günstigeren Preis an. Ich habe ihm dann zu verstehen gegeben, dass wir immer günstiger Produzieren könnten, weil unsere Mützen dann von Computern gefertigt werden. In unserer Strickerei ist es aber so, dass wir 80 Menschen einen guten Job geben und nicht 80 Maschinen, das ist uns viel wichtiger!

Iris: Unser Modell Duma zum Beispiel: sie wird komplett von Hand gestrickt, als ob man sie selbst gestrickt hätte.

Theresa: Genau das ist es, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen. Wir bewahren ein traditionelles Handwerk und schauen, dass diese Menschen einen regelmäßigen Job haben. Zudem produzieren wir ein nachhaltiges Produkt: eine Mütze wird niemals alt, in einem schlichten Design ist sie kein Fashion Produkt, das ich im nächsten Jahr wieder wegschmeiße. Eine Kaschmirmütze leistet man sich einmal, und wenn man sie pfleglich behandelt, hat man sie ein ganzes Leben lang. Soziale Projekte unterstützen wir dann im Eigeninteresse.

Wie ist es, wenn ihr eure Mützen auf der Straße seht?

Alle: Wir freuen uns so! Es ist immer wieder toll.

Theresa: Man freut sich einfach wenn jemand sagt: „Das fühlt sich so gut an!“

Ihr haben zwei unserer Ausstellungsexponate der Sesamstraße gekauft. Wo hängen sie jetzt?

Iris: Eines haben wir privat und eines für die Firma gekauft. Das Krümelmonster kommt bei uns Zuhause über den Esstisch. Den Eingangsbereich unserer Agentur ziert bald die Sesamstraßen-Familie. 

Christian: Die passt super in die Agentur, weil auch wir wie eine Familie sind.

Was sagen ihr zu unserem Labor?

Alle: Unglaublich mutig!

Christian: Wir haben einen riesigen Respekt davor, dass der Sport nach so vielen Jahren die Segel streicht. Das ist ein guter Schritt, denn man muss die Dinge verändern. Man kann sie ja wieder einführen. Bis jetzt waren die Experimente ja sehr spannend. Die Idee ist weltweit einzigartig!

Theresa: Österreich steht für seine Traditionen und das Motto, dass die Dinge gut so funktionieren, wie man sie schon immer gemacht hat. REYER steht da in Österreich für Einzigartigkeit. Es ist toll einen Händler in direkter Umgebung zu haben, der so experimentell ist. So etwas findet man sonst nur in großen Städten. Es ist die Antwort auf das, was im Modehandel gerade passiert. Es ist der absolut richtige Schritt.

Iris: Es ist einfach mutig sich von einer klassischen Fläche zu lösen. Die Experimente haben so viele Vorteile, die sich nicht immer in Zahlen und Umsätzen bemerkbar machen. Man hat so viel Futter für die Presse und Social Media. Es ist ungewöhnlich und spricht immer wieder neue Menschen an.

Und eure Beziehung zu Reyer? Gibt es eine besondere Anekdote?

Christian: Das Schönste Erlebnis war mit Alexandra Reyer, wie wir mit Warm-ME angefangen haben. Da ist es ja immer das Spannendste was die Kunden sagen, die schon jahrelang bei uns ein und aus gehen. Das einprägsamste Bild war dann für mich, als ich Alexandra Reyer auf unserem Showroom Boden sitzend sah, umgeben von vielen unserer Warm-ME Mützen, die sie gerade ausgesucht hat. Da wusste ich: sie gefallen ihr! Das habe ich so noch nie erlebt.

Theresa: Dieser Respekt ist eines der wichtigsten Dinge, die wir bei den Reyers schätzen. Alexandra Reyer würde niemals etwas aus gutem Gefallen kaufen. Nur wenn sie Potential sieht. Das schätze ich sehr in der Zusammenarbeit. 

In Hinblick auf unser Ski Experiment im Dezember: Gibt es persönliche Tipps für Ski-Neulinge in der Region?

Iris: Ganz sicher Bad Gastein! Weil Du da beides erlebst: Ein Skigebiet und gute Leute. Menschen, die Du sonst nur in der Großstadt triffst. Das ist einzigartig im Moment. Eine super Community in einem super Skigebiet. 

Danke für das sympathische Treffen, liebe Warm-ME's!