Im Interview: Andreas Tsetinis

Geschäftsmann, Autodidakt, Familienmensch – kurzum: Andreas Tsetinis. Vor 15 Jahren hat sich der in Hallein geborene Maschinenbauingenieur selbständig gemacht um seine eigenen (Produkt-)Ideen verwirklichen zu können – und das mit Erfolg. Seitdem ist er die meiste Zeit im Ausland unterwegs um internationale Kunden wie Jaguar, BMW oder ZF zu betreuen. Im exklusiven Interview verriet uns der Globetrotter mit griechischen Wurzeln weshalb er ein kreativer Pragmatiker ist, Gespräche mit Henry Ford und Einstein interessant fände und für ihn seine Familie über alles geht.


1. Andreas Tsetinis im Gespräch bei Sport & Mode REYER in Hallein

Was verbindet Sie mit Reyer?
 
Einige Jahre (lacht), ich kenne die Familie Reyer schon ewig. Ansonsten verbindet mich natürlich das Thema Mode sehr stark mit Reyer, insbesondere die Qualität der Ware, das Angebot und die kompetente Betreuung – die freundlichen Menschen nicht zu vergessen.
 
Lassen Sie sich lieber von einem Mann oder einer Frau beraten?
 
Beim Reyer von einem Mann, also von eurem Hannes. Aber wenn ich darüber nachdenke, lasse ich mich im Allgemeinen lieber von einem Mann beraten. Ich persönlich fühle mich von einem Mann besser betreut und vor allem besser verstanden. 
 
Sind Sie beeinflussbar?
 
Ich glaube, ich bin wenig beeinflussbar. Ich bilde mir meine eigene Meinung und bin von daher kaum beeinflussbar.
 
Halten Sie Versprechen, die Sie einmal gemacht haben?
 
Bei schwerwiegenden Versprechen, immer. Ich bin ein Handschlagtyp und das kann ich aus Überzeugung sagen. Für mich ist eine Grundregel im Leben, verlässlich zu sein und Versprechen zu halten. Schließlich ist ein Versprechen nichts anders als ein Vertrag, egal auf welchem Niveau.
 
Was ist Ihrer Meinung nach das Statussymbol dieser Zeit?
 
Da gibt es verschiedene: Autos, Technologie Produkte und bis zu einem gewissen Grad auch Mode – eher oberflächliche Themen. Für mich sind es im Wesentlichen aber Technologie Produkte, die den Status zum Ausdruck bringen – von Tablets, iPhones, Uhren bis hin zu e-Bikes und Multi Media Produkten.
 
Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?
 
An meinem Beruf schätze ich die Kreativität, die ich ausüben kann, die Verantwortung, die man übertragen bekommt und das internationale Kundenspektrum. Diese drei Punkte schätze ich eigentlich am meisten – wenn man jetzt einmal vom Arbeitsinhalt absieht.
 
Ferne oder Heimat?
 
Eindeutig beides. Ich kann weder ohne Ferne, noch ohne Heimat. Bedingt durch meinen Beruf, bin ich seit 20 Jahren unter der Woche immer unterwegs und an den Wochenenden zuhause. Es ist ein Privileg, einen Beruf auszuüben, bei dem man mit unterschiedlichen Branchen, unterschiedlichen Menschen und unterschiedlichen Aufgabenstellungen zu tun hat – und das auf internationalem Niveau. Wir sind vor allem in Deutschland, England, den USA, China und Indien tätig. Ich genieße es einfach unterwegs zu sein, genauso genieße ich es aber nach Hause zu kommen.



Welche Persönlichkeit (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne kennenlernen?
 
Ich würde gerne einen Visionär oder Physiker wie Einstein oder den Autopionier Henry Ford kennenlernen – das wären sicherlich interessante Gespräche. Ansonsten imponieren mir Persönlichkeiten wie Gandhi oder Mutter Theresa sowie Menschen im Sozialdienst und deren unermüdlicher Einsatz für die Gesellschaft, der leider oft nicht adäquat entlohnt wird.
 
Worin haben Sie sich in den letzten zehn Jahren am meisten verändert?
 
Da muss man jetzt differenzieren: Privat versuche ich so zu bleiben, wie ich schon immer war. Beruflich wächst oder besser gesagt, reift man durch die Entwicklung der Firma und den damit verbundenen Aufgaben. Ansonsten bin ich mit den Jahren gelassener geworden. Ich schätze einfach mein Leben, die Heimat und das, was man sich aufgebaut hat.
 
Was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz?
 
Es gibt mehrere Plätze, die ich genieße und an denen ich mich wohlfühle. An zwei Plätzen fühle ich mich allerdings besonders wohl. Zum einen in Griechenland, in der Umgebung des Heimatdorfes meines Vaters, und zum anderen in der Nähe unseres Hauses in Kuchl – ich könnte den Platz gar nicht genau benennen, aber für mich hat er einfach was.
 
Was hat Sie zur Gründung Ihres eigenen Unternehmens animiert?
 
In erster Linie die Ideen, die ich im Kopf hatte, und der Drang nach Unabhängigkeit. Für mich war die Selbstständigkeit der einzig logische Schritt um meine (Produkt-)Ideen realisieren zu können – als Angestellter, der vom Arbeitgeber abhängig ist, kann man das nur bedingt.

Budapester oder Sneakers?
 
Beides: Budapester – Business, Sneakers – privat. (lacht)
 
Kreativ oder pragmatisch?
 
Sowohl, als auch. Ich bin in der glücklichen Lage, beides in mir vereint zu haben. Bei der Produktentwicklung spielt Kreativität eine große Rolle, bei deren Realisierung muss man allerdings auch pragmatisch vorgehen können. Ich habe zahlreiche Produkte sowie eine eigene Software entwickelt, die darüber hinaus realisiert wurden. Daraus habe ich dann mein eigenes Business entwickelt. Da braucht es einen ausgeprägten Pragmatismus um das zu bewerkstelligen – was mir natürlich in meiner aktuellen Tätigkeit als Unternehmensberater ebenfalls zugute kommt.
 
Kindle oder gedruckte Bücher?
 
Gedruckte Bücher. Ich bin zwar ein sehr stark digital orientierter Mensch, aber mit einem Kindle kann ich wenig anfangen. Ich brauche einfach das Gefühl von Papier, außerdem genieße ich es, wenn die Bücher sichtbar zuhause stehen.


Was lesen Sie im Moment?

Ausschließlich Fachliteratur. Ich habe zwar unzählige Bücher zuhause, komme aber seit vier/ fünf Jahren nur im Urlaub dazu diese zu lesen. Bedingt durch meinen Beruf lese ich jeden Monat ca. 30 Magazine, alles von Automotive Fachzeitschriften bis hin zu Produktions-/ Technologie- und Wirtschaftszeitungen. Ich genieße es sogar, denn es sind extrem interessante Themen dabei.

Worauf könnten Sie niemals verzichten?

Auf ein Interview. (lacht) Worauf ich nie verzichten könnte, wäre meine Familie, meine Frau und meine zwei Söhne, sowie meine erweiterte Familie und enge Freunde. Das ist die Basis, auf alles andere könnte ich verzichten.

Sakko oder Strickjacke?

Beides – wie man heute schön sieht. (lacht) Ich trage sowohl privat wie auch beruflich sehr gerne Sakkos. Wobei ich privat legere Sakkos bevorzuge oder eben auch gerne zu Strickjacken greife, von denen ich mir gerade wieder drei gekauft habe. (lacht) Beruflich trage ich ausschließlich klassische Anzüge – das ist in meiner Branche State of the Art. Business Casual, so wie heute, ist eigentlich nur im Büro oder bei ungezwungenen Business Veranstaltungen möglich.

Motivation oder Inspiration?

Mein Thema ist die Motivation. Die Motivation, für da was ich tue und die Motivation, die ich anderen gebe – egal ob als Vorgesetzter, als Unternehmensberater oder als Trainer. Man muss seine Umgebung motivieren, das zu tun, von dem man selbst überzeugt ist. Die Inspiration spielt dabei ein tragende Rolle: man muss letztendlich inspiriert sein um überhaupt erst motivieren zu können. Für mich geht das eine mit dem anderen einher, man kann es eigentlich nicht separieren. Nehmen wir zum Beispiel meine Söhne: der ältere studiert Modedesign und der jüngere beginnt im Herbst mit Fotografie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Beide sind kreativ und leben von der Inspiration, gleichzeitig brauchen sie die Motivation um ihre Studien und später ihren Beruf durchziehen zu können. Denn wie viele Talente gehen an dem zu Grunde, dass sie zwar inspiriert sind, aber diese Inspiration dann nicht zum Abschluss bringen können?!

Neuwagen oder Oldtimer?

Beiden kann ich sehr viel abgewinnen. (lacht) Ich habe das Glück, die unterschiedlichen Produkte unserer Kunden JLR Jaguar Land Rover, BMW und Mercedes fahren zu dürfen. Privat habe ich ein Faible für die Automotive Ära von 1960 bis 1980.

Was stellt Sie immer wieder vor neue Herausforderungen?

So ein Interview. (lacht) Beruflich sind es die Firma, die Kunden sowie der permanente und immer schneller werdende Wandel am Markt. Der Anspruch des Marktes entwickelt sich ja stetig weiter – sei es technologisch, von den Medien oder auch von den Produkten her. Hinzu kommt, dass sich der Markt regional permanent verschiebt. Durch das viele Reisen, das Schritthalten mit den wechselnden Marktsituationen wie auch durch das Eröffnen neuer Büros ist man psychisch wie auch physisch hochgradig, und das permanent, beansprucht. Sich körperlich fit zu halten ist dabei unerlässlich, aber das erfordert natürlich auch eine gewisse Motivation und Konsequenz. Meine Familie steht für mich bei alledem immer an oberster Stelle, weshalb für mich eine ausgewogene Balance zwischen Beruf- und Privatleben zu finden, die größte Herausforderung darstellt. Denn wenn die Harmonie in der Familie gegeben ist, bin ich happy und habe die Kraft um die beruflichen Herausforderungen zu meistern. Ohne die permanente Unterstützung meiner Frau wäre dies kaum möglich.

Wie beeinflusst Mode Ihren Alltag?

Mein Bruder Peter, der seit 30 Jahren in der Modebranche tätig ist, meint sehr stark! (lacht) Ich gebe es zu, ich gehe gerne einkaufen und ziehe auch gerne schöne Sachen an. Mir ist es einfach wichtig, seinen persönlichen Stil zu tragen– sei es nun beruflich oder privat. Egal wo man nun einkaufen geht, der Stil muss einfach zur jeweiligen Person passen und die Persönlichkeit reflektieren. Die Qualität und die Herkunft der Ware spielt dabei natürlich auch eine große Rolle.

Ist Mode für Ihr Selbstvertrauen wichtig?

Nein. Mode macht mir zwar Spaß, ich trage auch gerne schöne Sachen und bin auch froh, sie mir leisten zu können, aber mein Selbstvertrauen wird einfach durch andere Sachen genährt.

Mode ist...?

... für mich wichtig. Mode ist etwas Schönes, das die Menschen, glaube ich, in Summe glücklicher macht. Mode ist ein schöner Rahmen fürs Leben, sollte jedoch nicht überbewertet werden. Mir gefällt es, dass man sich an den schönen Dingen (der Mode) freuen kann.

Vielen Dank für dieses Interview.